… und sah, dass das Licht gut war

Laurent Fachard und das Licht-Konzept für den Platz des europäischen Versprechens

PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPRECHENS von Jochen Gerz, Simulation von Laurent Fachard

Das Licht-Konzept für den Platz des europäischen Versprechens stammt von Laurent Fachard, einem der Großen seiner Branche. Er selber meidet große Töne, seine kleine Firma etwa nennt er nicht “Die Lichtkünstler” oder dgl., sondern Les éclairagistes associés, die Beleuchter.

Jochen Gerz hatte ihn eingeladen und gebeten, ein Konzept für den Platz zu entwickeln, und als Laurent Fachard im Herbst 2008 in die Christuskirche kam, entschuldigte er sich als Erstes dafür, dass er seine Reise um ein paar Tage hatte verschieben müssen, er habe noch ein Projekt abschließen müssen.

Was denn für ein Projekt?  –  Was mit Außenbeleuchtung. –  Interessant, wo denn?  –  In Paris. –  Ein Objekt in Paris?  –  Ja, so ein Haus. –  Ein Haus?  –  Nun ja, der ÉlyséePalast.

Dann klappte er seinen Laptop auf. Und zeigte uns zunächst – genau wie RUHR.2010, nur eben nicht gefälscht – ein Bild aus dem Weltall, die Weltkugel, auf der die Energiezentren rötlich eingefärbt waren, und natürlich war Europa rötlich.

Nächstes Bild, näher an Europa heran gezoomt, wieder eine sehr ungleiche Farbverteilung mit dem meisten Rot in Deutschland. Näher herangezoomt: das meiste Rot jetzt in NRW, dunkelrot wird es im Ruhrgebiet. Noch näher: im Mittleren Ruhrgebiet das allertiefste Rot, und jetzt dicht an Bochum heran, finsterrot wird es im Zentrum der Stadt. Fachard klappte seinen Laptop zu:

“Monsieurs, vous navez pas besoin de lumière.“

Meine Herren, sie brauchen kein Licht. Nachts trafen wir uns erneut mit ihm, wir hatten eine der Steinproben dabei, in die ein paar Buchstaben eingefräst waren, die bereits den hellen Farbton hatten, den alle Namen haben werden. Fachard legte die Steinprobe auf den Boden des Platzes, die Sterne schienen herab und siehe, die Buchstaben hoben sich aus der Dunkelheit hervor.

“Ist die Sprache der Natur stumm, so trachtet Kunst, das Stumme zum Sprechen zu bringen”.

Das hat Adorno, der Philosoph gesagt und Fachard, der Beleuchter hat es getan, er bringt das stumme Sternenlicht zum Sprechen.