Bugge Wesseltoft

"It’s Snowing On My Piano" - erstmals live!

Bugge auf dem Kongsberg Jazz Festival | (c) Maren Edvardsen

Wie etwas beschreiben, das so für sich ist und so intim wie das, was Bugge Wesseltoft mit alten Weihnachtsliedern macht?

Es gibt nur ihn und sein Klavier, es klingt sakral und wieder nicht, es ist Choral und ist verspielt, es ist bedacht und es ist Jazz. So nackt ist das und bloß, wie je ein Kind in einer Krippe war.

Und so ähnlich war es auch: Als er die Weihnachtslieder eingespielt hat, saß Wesseltoft am Flügel mit seiner kleinen Tochter auf dem Schoss. Da gibt es schöne Bilder von, wie Maren hört und staunt, wie wir jetzt staunend hören. Ganz ruhig und selig, ohne rührselig zu sein. Licht und leicht ist das und atmosphärisch dicht wie Schnee, der aus dem Nachthimmel in Norwegen fällt

Wie macht er das nur, diese Stimmung, diese intime Intensität? Vielleicht sind es die Pausen, die er macht, es sind die schönsten, die ich je gehört habe. Jede von ihnen lässt mehr erfahren als andere in einen Konzertabend schütten. Unerklärlich schön, sein Spiel mit dem Klavier, und weihnachtswundersamerweise wird es nie kitschig, wirklich nie.

“Bugge Wesseltoft hat die schönste Weihnachtsplatte aufgenommen, die ich je gehört habe.”

Schrieb DAGBLADET,die größte Tageszeitung Norwegens, als die CD vor 13 Jahren erschien. Seitdem wurde sie an die 100 tausendmal verkauft, “It’s Snowing On My Piano” ist eine der erfolgreichsten Jazz-CDs überhaupt, aber:

Live hat Wesseltoft dieses Programm in 13 Jahren erst 1 x gespielt (und das war, als Nils Landgren ihn bat, zum ersten “Christmas With My Friends” nach Stockholm zu kommen). Nun aber und jetzt im Jahr des HErrn 2010:

5 Konzerte in 3 Ländern und 1 davon bei uns!

Die WAZ neigt nicht zur Übertreibung:

“In ihrer fast überirdischen Schönheit”, schrieb Wolfgang Platzeck, “ist dies die größte Weihnachts-CD, die der zeitgenössische Jazz je hervorgebracht hat.”

Mehr Vorfreude geht nicht.

Ardy Strüwer: Snowing On My Piano | ACTmusic (c)

BUGGE WESSELTOFT

Der Norweger, 1964 geboren, ist einer der wichtigen Impulsgeber für den  europäischen Jazz: Mastermind einer ganzen Generation von Musikern, die Elektronik mit Jazz verschmelzen:

    “Walking on stage with only an electronic beat as the basic element in a song. It leaves it all up to us to create spontaneous music and a good spirit. I say it’s jazz.”

Seine New Conception of Jazz hat er einmal im Interview mit Jazzthetik als ein “Gefühl für Trance” beschrieben, das er der Maschine verdankt und seiner Improvisation erschließt:

    „Das Programming ist die Voraussetzung für Improvisation. Improvisation setzt ein, wenn alle notwendigen Sounds zur Verfügung stehen.“

Und dann beginnt das, was der Elektronik Leben beibringt:

    „Ich finde es ungeheuer langweilig, wenn jemand ewig auf einem Saxofon oder einem Klavier über ein bestimmtes Motiv phrasiert. Für mich war es geradezu eine Erlösung, als ich herausfand, dass man auch mit Technologie improvisieren kann. Electronics klingen stets dann interessant, wenn man sie über ihre Grenzen hinausführt. Ich habe viel über die Kombinationen beider Klangprinzipien gelernt. Man muss dabei vorsichtig sein, denn noch langweiliger als eine endlose Solo-Improvisation ist eine endlose Improvisation über einer Drum-Machine. Wir sind immer noch ganz am Anfang der Möglichkeiten, die sich aus der Kombination von akustischer und elektronischer Musik ergeben. Allein schon deshalb, weil sich die Technologie rasant weiter entwickelt.“

Das sagte er 2004, da hatte er mit seinem Label Jazzland der Szene längst eine eigene Plattform geschaffen. Das Ziel: künstlerische Freiheit abseits des Mainstreams ermöglichen.

    “Meine Generation und die jüngeren Musiker haben erkannt, dass es möglich ist, künstlerische Eigenständigkeit zu bewahren und trotzdem Anerkennung zu finden.”

Gleichzeitig arbeitet Wesseltoft seit vielen Jahren mit ACT Music zusammen, dem Label, das sehr erfolgreich darin ist, Jazz in den Strukturen des Pop zu vermarkten: Nach öffentlichem Voting auf Jazzting.de wurde ACT im Mai hier in Bochum mit dem ECHO-Jazz ausgezeichnet.

Auch “It’s Snowing On My Piano” geht auf die Initiative von Siggi Loch zurück, dem Act-Produzenten: Der hatte das gleichnamige Bild des amerikanischen Künstlers Ardy Strüwer 1997 in der Wohnung von Nils Landgren gesehen und Wesseltoft am nächsten Tag gebeten, einmal darüber zu improvisieren  –  “with Christmas in my mind”. Bugge hatte natürlich seine kleine Tochter im Kopf, ein paar Wochen später trafen sich alle zusammen in einem Studio, und Bugge begann zu improvisieren …

Dann wurde die Platte mit Hymnen überschüttet, jetzt ist sie  –  noch vor e.s.t.  –  die bestverkaufte bei ACT, hat Platin usw., aber das erklärt alles nichts: Es ist Minimal-Art und große Kunst und unerklärlich.