Eine Kulturstadt wie Sodom?

Walter Rothschild legt eine Erzählung aus

Schlacke-AbschŸttung bei Thyssen, Duisburg | (c) Matthias Koch 2009 für RUHR.2010

Was macht eine Stadt gut? Die Kultur, sagen die, die in der Kulturstadt leben, all das Wahre und Gute und Schöne, das es hier gibt.

Was macht eine Stadt böse? Das kann, wenn die erste Antwort stimmt, nur eine Nichtkultur sein, die Lügen und das Hässliche, das es andernorts gibt. In Städten, die wie Sodom sind, die an der Unkultur ersticken und an sich selbst.

Die jüdische Überlieferung allerdings erklärt die Unkultur, für die der Name Sodom steht, etwas anders: Die Menschen von Sodom, heißt es im Talmud, waren böse wegen all des Guten, das Gott ihnen gab.

Sodom war eine reiche Stadt, sie war “wie der Garten Eden”, eine blühende Kulturlandschaft.

Walter Rothschild legt die Geschichte von Sodom in der Kulturhauptstadt aus.
Er ist im englischen Bradford geboren, hat in Cambridge studiert, als Rabbiner in Leeds, der Karibik, Wien, Berlin und München gearbeitet, er kann vergleichen.

Was notwendig ist: In der Geschichte von Sodom, der Stadt des Bösen, geht es um die, die dazu kommen, die “Fremdlinge” und um den Hass auf sie. Und es geht um den Hass auf alle, die sich vorzüglich integrieren, sie kommen, wenn der Pogrom beginnt, als erste an die Reihe.

Recht lebensnah, diese Erzählung im 1. Buch Mose 19. Sie endet damit, dass Schwefel und Feuer vom Himmel fallen, wie sie zum Ende des Zweiten Weltkrieges aufs Ruhrgebiet fielen. Die Kulturstadt Sodom wurde zerstört, hat sich seitdem etwas geändert? “Eines geht sicher nicht”, schrieb Max Frisch 1948, als er das zerstörte Deutschland besuchte,

“dass eine Stadt sich einredet, sie habe Kultur, weil sie Sinfonien hat.” *

>> Eine Veranstaltung der Evangelischen Stadtakademie in Kooperation mit dem Freundeskreis Bochumer Synagoge und dem Katholischen Forum Bochum
>> 6,- EUR inkl. Imbiss
>> Musikalische Begleitung: Eduard Glyaymer