L’Enfance du Christ

Weihnachtsoratorium von Hector Berlioz

Magali Léger by Christian Jungwirth (c)

Herodes ist so resigniert, wie Realpolitiker es sind.

“Regieren müssen und nicht leben können”,

singt der regierende König und lässt sich von Sterndeutern beraten. Dann ein Schnitt, wir stehen im Stall und blicken wie Maria (Magali Léger) auf ihr brabbelndes Kind, ein inniges Familienglück.

Dann – wieder Schnitt – die Flucht durch eine gnadenlose Wüste, eine rettende Oase, ein Wiegenlied hebt an,

“eines der friedlichsten, beseeltesten und dennoch völlig unkitschigen Musikstücke, die ich kenne“.

Wieder ein Schnitt, die Ankunft der Familie in der Stadt, verzweifelte Bitten um Asyl, barsche Zurückweisung und barmherzige Retter.

Berlioz hat ein Oratorium geschrieben, das sich so bildhaft hören lässt wie eine Oper. Wie hat es sich angefühlt, als wir noch glauben konnten wie ein Kind? Das Gefühl, dem zu vertrauen, was wir sehen und eins zu sein mit dem, was wir hören?

Hector Berlioz (1803 – 1869), bekennender Agnostiker und Freund von Heinrich Heine, hat sich den Glauben bewahrt, dass dieses Gefühl, das uns verließ, gehört werden kann.

Und hat sich, was die Bibel erzählt, so farbig ausgemalt wie Kinder Bilderbücher malen. Herodes, den Realo im Palast, die stolpernden Lämmer im Stall und herzensgute Hirten, die zum Abschied winken. So ein Bilderreigen, meinte Berlioz, “verlangt ganz von selbst eine naive, sanfte Vertonung”, einen farbigen und klar konturierten Stil: L’Enfance du Christ (Die Kindheit Christi) entwickelt sich –  weit vor der Erfindung des Films  –  als gleichsam filmische Erzählung:

Da wimmelt es nachgerade von sogenannten “jump cuts”, überraschenden Schnitten von einer Sequenz zur nächsten also, deren Lücke der Zuschauer mit seiner Fantasie oder Bibelkenntnis ausfüllen muss. Hinzu kommt ein beständiger Wechsel aus der Totalen über die Halbnahe zur Großaufnahme

so das capriccio-kulturforum.de. 1854 in Paris uraufgeführt, wurde das Werk von Kritik und Publikum gefeiert, geriet dann aber – weil als “untypisch” empfunden – in Vergessenheit. Arno Hartmann und die Stadtkantorei, der Chor der Evangelischen Kirche in Bochum, geben zusammen mit den Bochumer Symphonikern ein großes Werk frei, wieder entdeckt zu werden  –  und das mit einer exzellenten Solisten-Schar:


Magali Léger, Sopran | Jean-Pierre Ouellet, Tenor | Joachim Höchbauer, Bariton/Bass | Jens Hamann, Bass