Rassismus: „Die Öko-Nummer natürlich”

Vor 30 Jahren: ‘Heidelberger Manifest’

Calum Hutchinson (cc)

Sarrazins“Deutschland schafft sich ab” ist eine recycelte Debatte: Heute vor 30 Jahren  –  am 17. Juni 1981 –  wurde das “Heidelberger Manifest” verfasst:  15 hochkarätige Wissenschaftler unterschrieben Sätze wie diesen:

“Völker sind (biologisch und kybernetisch) lebende Systeme höherer Ordnung mit voneinander verschiedenen Systemeigenschaften, die genetisch und durch Traditionen weitergegeben werden.”

Um diesen höheren Quatsch nicht nur genetisch weiterzugeben, haben die Professoren  –  einer davon, ihr Vordenker, lehrte seit 1966 an der Ruhr-Uni und war hier bis 1995 Direktor des Astronomischen Instituts  –  ihre Argumente schon damals wie Nummerngirls in den Ring geschickt:

Die Mitleidsnummer:

„Welche Zukunftshoffnung verbleibt den Hunderttausenden von Gastarbeiterkindern, die heute sowohl in ihrer Muttersprache wie in der deutschen Sprache Analphabeten sind?“

Die Nummer mit der Rütli-Schule:

„Welche Zukunftshoffnung haben unsere eigenen Kinder, die in Klassen mit überwiegend Ausländern ausgebildet werden?“

Die Wir-wollen-nur-euer-Bestes-Nummer:

„Das Übel an der Wurzel zu packen heißt, durch gezielte Entwicklungshilfe die Lebensbedingungen der Gastarbeiter in ihren Heimatländern zu verbessern – und nicht hier bei uns.“

Die Nummer mit Kultur und alledem:

„Europa verstehen wir als eine lebendige Gemeinschaft von Völkern und Nationen, die durch Kultur und Geschichte eine Ganzheit höherer Art bilden.“

Die Öko-Nummer natürlich:

 „Die Rückkehr der Ausländer in ihre angestammte Heimat wird für die Bundesrepublik Deutschland als eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt (…) auch ökologische Entlastung bringen.“

Passend dazu die smarte Nummer Wachstumskritik:

„Der Zuzug der Ausländer wurde von der Bundesregierung aus Gründen des heute als fragwürdig erkannten hemmungslosen Wirtschaftswachstums gefördert.

Dann noch die Doppel-Nummer mit “Identität” und “Erbe”

„geistige Identität auf der Grundlage unseres christlich-abendländischen Erbes“

und natürlich die Nummer mit der Leutseligkeit, man sei

„gegen ideologischen Nationalismus, gegen Rassismus und gegen jeden Rechts- und Linksextremismus.“

Also alles drin im “Heidelberger Manifest”, seit 30 Jahren schafft sich Deutschland ab. Schafft es abr auch, dass sich andere Stimmen dagegen formieren:

   “Uns als Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum hat die Lektüre des Heidelberger Manifestes den Atem verschlagen.”

Schrieben 24 Professoren der Ruhr-Uni  –  darunter die evangelischen Theologen Bahr, Brakelmann und Ebach sowie Ernst A. von Renesse, langjähriger Vorstand des Kirchenkreises  –  dazu die gesamte Assistenzschaft der Ruhr-Uni, die GEW und ein evangelischer Arbeitskreis mit dem skurrilen Namen “Ausländer Willkommen”. Sie alle attestierten dem “Heidelberger Manifest”, kaum dass es publik geworden war,

„puren Rassismus“

und kündigten die

„Gründung eines ‘Arbeitskreises zur Lösung der Integrationsprobleme und gegen den Mißbrauch der Wissenschaft für rassistische Zwecke’“

an. Dieser Arbeitskreis wiederum sollte auf interdisziplinärer Basis konkrete Vorschläge zur Lösung folgender Fragen erarbeiten:

„Probleme und Modelle der Integrationspolitik gegenüber sprachlichen und kulturellen Minderheiten“

„Kultursoziologische und Kulturpolitische Aspekte ( besonders auch Probleme islamischer Kulturen)“

„Vorgeschichte und Hintergründe des Heidelberger Manifestes (als Lehrstück zur Zeitgeschichte)“

„Probleme der nationalen Identität und internationaler Symbiose“

„Diskurs- und Medienanalyse zur Ausländerproblematik“

Auch hier also bereits das komplette Programm, an dem bis heute geschraubt wird. Seit 30 Jahren heißt Ausländer Willkommen eben auch, dass mit den Ausländern auch die Forschungsaufträge kommen und die Tagungen und Konferenzen, die Beauftragungen und Referate, die Kurse zur Eingliederung und Seminare zur Auswertung, Förderprogramme und Modellprojekte, Handlungskonzepte für neue Planstellen und Planstellen für neue Lösungsmodule, die Ausschüsse und Räte, Kompetenzzentren und Partizipationsgremien, Ämter und Werke und Integrationsagenturen, die Beigeordneten und Vollzeit-Integratoren, die Stabsstellen und Staatssekretäre und ministerialen Räte in so vielen Ministerien wie Erstliga-Vereinen und was nicht noch. Der Betrieb läge lahm, wenn es die Ausländer nicht gäbe. Sie dürfen hier keinesfalls bleiben, sie müssen es