„Mehr als 3000 Jahre“

Zarathustrischer Verein zu Gast

Tower of Silence in Yazd | (cc) Petr Adam Dohnálek

Darauf muss die Menschheit erst mal kommen, dass die Welt nicht einfach ist, sondern geworden. Und dass sie nicht einfach dauert, sondern ein Ende haben wird. Und dass es zwischen Anfang  –  Schöpfung oder Urknall   –  und Ende  –  Weltgericht oder Atomkompromiss –  nicht darum geht, das zu tun, was alle tun, sondern die eigene Entscheidung zu treffen.

Das sind die gedanklichen Voraussetzungen der Zarathustrier, es gibt durch bald vier Jahrtausende hindurch  –  Anfang Juli kommen sie zu uns.

Zoroastrismus oder Zarathustrismus ist die vermutlich erste monotheistische Religion überhaupt. Eine persische Buchreligion, älter als das Judentum, in der sich die Vorstellung herangebildet hat, dass Gott nicht Stoff ist, sondern Geist. Weshalb Er auch nicht im Bild erscheine, sondern in der Sprache.

Vor rund 1000 Jahren wurden die Zarathustrier  –  oder Zoroaster; iranisch: Zartoshti  –  vom Islam verdrängt, sie flohen überwiegend nach Indien und leben heute weltweit verstreut. Unter solchen Bedingungen eine gemeinsame Religion zu bewahren, ist schwer und noch schwerer, wenn das Zentrum der Religion weiterhin in dem Land liegt, das gerade ein Irrer regiert, im Iran: In Yazd, einer der ältesten Städte Persiens, steht ihr Feuertempel –  ein Ort, an dem sie das Feuer nicht anbeten, sondern es als Symbol des göttlichen Geistes verehren.

In Deutschland sind es denn vor allem Exil-Iraner, die sich organisieren, um ihre Religion zu bewahren, und auch hierzulande ist es schwer: Das Lexikon der Religionsgemeinschaften im Ruhrgebiet, das wirklich minutiös ist, führt die Zarathustrier, zu denen sich im Ruhrgebiet etwa 30 Iraner bekennen, bisher nicht. Seine bundesweite Jahresversammlung hält der zarathustrische Verein jetzt bei uns ab.