Hauschka

urban urtyp #12

Hauschka by Estelle Klawitter (c)

Elektronische Musik ohne Elektronik. Hauschka, weltweit gefragter Pianist, legt die Sounds auf die Saiten und ein paar Dinge dazu, Radiergummis, Kronkorken und Butterbrotpapier, etwas Gaffa-Tape, etwas Folie, ein Satz Tischtennisbälle. Was es so im Haushalt gibt, was aber keine Gags ergibt, wenn er die Dinge zum Spielen bringt. “He builds his repeating structures with a Romantic ear”, schrieben die NEW YORK TIMES, und so steigen an den Klanggerüsten seltsam betörende Melodien empor, die einen ahnen lassen, was Dinge alles erzählten, wären sie beseelt.

Eine “Ahnung unverfälschter Schönheit”, schrieb die taz. Und wundert sich im Namen aller, denen pompöse Pop-Posen vertrauter sind als irgendwas mit Sinn: “Wie blöd kommt man sich vor, im Zusammenhang mit Popmusik von Unschuld zu sprechen.”

Hauschka hat den Computer im Klavier entdeckt

Aber so blöd es klingt, es hat sehr viel von Unschuld, mit der Hauschka Musik wie kleine Tennisbälle hüpfen lässt, als wollten sie über den Rand des Flügels schauen:

Popped out like popcorn

meinte die NYT. Nur dass diese besondere Art des Glückspielens von Spielregeln gehegt wird, die Hauschka  –  bürgerlich: Volker Bertelmann  –  “skulpturale Musik” nennt, von lateinisch sculpere: etwas bilden, indem man es bearbeitet. Hauschka bearbeitet den Flügel so, dass man, wenn man die Augen schließt, denken möchte, er sei alles mögliche, nur nicht das, was er ist. Federleicht, nur nicht 350 Kilo.

Vor zwei Jahren war Hauschka das erste Mal bei uns, neuerdings stehen sie vorm Berghain für ihn Schlange, aber im Grunde kennen Hauschka (43) hierzulande immer noch erstaunlich wenige. Das passiert, wenn es einem darum geht, im Musikbetrieb die Freiheit zu behalten. Der Düsseldorfer gehörte mal dazu, zum Betrieb, hat fürs Fernsehen gearbeitet, einen Plattenvertrag bei einem Major unterschrieben, die Fantastischen Vier begleitet und mit den Red Hot Chili Peppers zusammen vor soviel Menschen gespielt wie in ganz Wattenscheid wohnen.

Bis er den Computer im Klavier entdeckte. Seitdem unterläuft er die Musikgeschichte und ihren Betrieb. Dort die Ingenieure, die neuester Elektronik beibimsen, wie ein Klavier zu klingen habe  –  hier Hauschka, der Improvisateur, der aus dem Klavier heraus die schönsten Elektronik-Sounds zaubert. Mehr Pop als Cage und eher Chopin als Philip Glass.

Hauschka improvisiert, er geht “ohne Programm und ohne bestimmte Idee auf die Bühne”, die dieses Mal keine ist, er wird im urban urtypKubus spielen, dem Raum im Raum der Kirche: Der Flügel in der Mitte, Hauschka davor, wir drum herum.


>> 16. Oktober | 18 Uhr | 10 Euro wie immer | Tickets
>> hauschka-net
>> Infos über Hauschkas neue CD “Salon des Amateurs” , die er u.a. mit Joey Burns und John Convertino von Calexico eingespielt hat