“… this boy turned gold from blue …”

Einar Stray | urban urtyp

Einar Stray by Mats Bakken

“Pop ist eine Haltung”, sagte Michael Wollny, urban urtyp #15, neulich in einem Interview. Pop stehe für “Kompromisslosigkeit” und diesen “unbedingten Willen, eine eigene Musik zu kreieren”.

Im Jazz gehe diese Haltung schon mal verloren, dann werde Improvisation zum Vorwand, “Noten nicht so zu meinen, wie man sie spielt.” Bei Popbands dagegen, den guten, “ist jede Note so gemeint”, so und nicht anders. Als ginge es mit jeder Note ums Ganze.

Schnitt. Es gibt ein Video von Einar Stray, da sitzen Stray & Friends in irgendeiner norwegischen Wohnung, im Hintergrund die Küchenzeile, eine  Topfpflanze, ein blau gestrichener Stuhl, sitzen da und spielen sich aus dem Wohnzimmer in die Wirklichkeit hinein:

    We’re coming home
    we’re growing strong
    we’re coming home again’
   all though this little wonder.

Tieftraurig, Ikeas Kinder. Lars Fremmerlid klöppelt einen nachdenklichen Rhythmus aufs Sofakissen, Hanna Furuseth lässt ihre Geige Perlen weinen, das Cello von Ofelia Østrem Ossum und Simen Aasens Bass wiegen ins Memento ein, und Einar Stray sitzt versunken vor einer Handvoll Tasten:

    And all of you
    destroyed with nothing but a stone or two
    lay down your sword this boy turned gold from blue
    before the men take off your crown, be true
    the arrows float over us.

Ende jeder Ironie, sie sitzen da und spielen. Die Musik ist üppig und episch, sie trägt satt auf, der Pop ist pompös. Aber keinerlei Triumph, sie singen sich selber zu:

    So hear the children play
    the same old song
    the same old plan
    and hear the old folks pray
    because then you’ll understand that.

Pathetisch? Je nun, nach Aristoteles hat Pathos zum Zweck, Regungen zu wecken, “durch die Menschen sich so verändern, dass ihre Entscheidungen andere werden”. Im Großen und Ganzen, sagt Einar Stray über seine Musik, handele sie

„über das Gefühl, das in der Jugend entsteht. Nämlich, dass diese Welt einfach derartig groß und komplex ist, dass sie für den Einzelnen nur in ihrer Unbegreiflichkeit existiert.“

Sie meinen, was sie spielen. Wer jetzt nicht 21 wird, wird es nie wieder werden.


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