Teppichstangen sind etwas sehr Schönes

Kosmopolen in euFORIA

Klopsztanga in Gdansk 2011 | Emanuela Danielewicz (c)

Der Satz über das, was Teppichstangen seien, stammt von Erich Kästner, er ist in Dresden aufgewachsen, das liegt zwischen Polen und dem Ruhrgebiet:

“Mein Vorgarten war der Hinterhof und die Teppichstange war mein Lindenbaum”,

heißt es in Als ich ein kleiner Junge war. Er hätte zwar lieber einen Garten mit Bäumen gehabt, aber

“kein Grund zum Weinen. Höfe und Teppichstangen sind etwas sehr Schönes.”

Das sind sie zumindest gewesen, unschuldig schön, eine Erfahrung, die sich quer durch Europa zog:

“Hier wurden Affenschaukeln geübt und erste Küsse getauscht, heimlich Zigaretten geraucht, Persönliches und Politisches besprochen”,

heißt es bei KLOPZSZTANGA – POLEN grenzenlos NRW:

“Hier zankte und versöhnte man sich. Hier war und blieb man sich nah.”

Das war wohl so und blieb es nicht, Kästner schrieb seine Erinnerung ins Jahr 1914 hinein: “Der Weltkrieg hatte begonnen und meine Kindheit war zu Ende.”

Jetzt, ein knappes Jahrhundert später, steht Klopsztanga, die Teppichklopfstange, für Klopsztanga, das Kulturaustausch-Projekt:

„Klopsztanga ist ein gewachsenes Sinnbild für das Miteinander und die Chance zu einem vertieften Verstehen des Anderen. Jetzt wird es gleichermaßen zum Leitmotiv und Logo: zum Ausdruck für den Wunsch nach kulturellem Dialog mit Kulturinstitutionen, Initiativen und Künstlern in NRW – getragen von der Idee der Versöhnung mit der Geschichte und mit Deutschland, mit Europa.“

Das ist etwas administrativ formuliert, es umkurvt den eigentlichen Skandal: dass von den großartigen Dingen, die in Polen entstehen, hier so wenig ankommt. Die Künstler des Landes, letztlich die in ganz Osteuropa, sind offenbar nichts für den hiesigen Markt und nichts für jene, die ihn verwalten. Hier kämpft man lieber darum, die Urheberrechte von 70 Jahre alten Schlagern zu verwerten, aber Anna Maria Jopek? Edyta Górniak? Robert Kusiolek?

„Das ganze Land befindet sich im kreativen Aufbruch“

heißt es bei Klopsztanga, überall “Phantasie, Experimentierfreude und Tatendrang”  –  und nirgends, auch das sei erwähnt, der Mehltau aus Kulturstaat plus Verwertungsindustrie, an den man sich hier so gewöhnt hat wie an den Schulzahnarzt. Auch deshalb hat der Austausch von Kultur einen Sinn, Polen grenzenlos NRW ist bereits ein Gegenbesuch:

Entwickelt wurde das Projekt vom Adam Mickiewicz Institut in Warschau, vom NRW KULTURsekretariat und vom Polnischen Institut Düsseldorf, gemeinsam mit ihren lokalen und regionalen Partnern. Unterstützt wird es vom Kulturministerium NRW, vom Ministerium für Kultur und Nationales Erbe in Polen und vom Generalkonsulat der Republik Polen in Köln.

In der Summe: 62 Projekte in 18 Städten, davon 5 bei uns: Die KOSMOPOLEN laden ein, Europa EUforisch zu erleben. Das Programm hier, wir stellen es in den kommenden Tagen im Einzelnen vor.

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