Elektrisch aufgeklärt

Joseph Haydn: Die Schöpfung

Strassenbeleuchtung | Mainova AG (cc)

“Und Gott sah das Licht, dass es gut war”, singt der Engel, er heißt Uriel, der Name bedeutet Mein Licht ist Gott.

Als Haydns Schöpfung uraufgeführt wurde, im März 1799, lag Wien im Dunkeln und die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte keine 10 Jahre zurück. Licht bedeutete Aufklärung, enlightenment, illuminismo, les lumières  –  in allen Sprachen ließ sich lesen, dass Aufklärung Licht sei und gut.

Die Sterne am Himmel hatte die Bibel schon längst zu Laternen erklärt, “angeschraubt” von Gott. Auf den Straßen aber brannten Laternen nicht von selbst, sondern mit Öl. Eine schmierige Sache, diese Art Aufklärung, ständig musste nachgefüllt, geputzt, entzündet werden.

Erst neun Jahre nach Haydns Schöpfung wurden die ersten Straßenleuchten mit Gas betrieben, und es dauerte noch ein Jahrhundert, bis Wien  –  “nach anfänglichen Probebeleuchtungen mit sechs elektrischen Bogenlampen” –   elektrisch aufgeklärt wurde. Man macht sich das heute nicht recht klar, wie erhellend es war, als das Licht öffentlich ward: Gott sah die Bogenlampe und sah, dass sie gut war, wir hören jetzt der Schöpfung zu.