„Nicht gerade kommerziell“

Anne Clark & Band

Anne Clark auf dem Amphi-Festival 2012 | (c) Anne Mühlbauer

Auf den Bühnen turnen in letzter Zeit komische Leute rum. Schwermut mit Schmerbauch. Lederröhre mit wirr verfönten Haaren. Andere kleben am Mikro wie Wulff am Stuhl. Vielleicht ist das alles ein Männerproblem, Anne Clark macht das so:

Sie fing mit Punk und Postpunk an, hat sich um ihre Zukunft wenig geschert, keine Karriere geplant und keine gemacht – und dann 30 Jahre lang Musik, ohne sich zu wiederholen.

Nie waren die 80er kühler als in SLEEPER IN METROPOLIS, keine Zukunft düsterer als die in OUR DARKNESS, für Clark aber kein Grund, sich als Ikone der Kühle einfrieren zu lassen. Es gab ja noch Rilke.

Woraufhin sie reichlich Ärger bekam, als sie mit Rilke ankam und einem rein akustischen Album:

    “’Just After Sunset‘ war das schwerste Projekt, das ich jemals realisiert habe. Es war schier unmöglich, auch nur irgendeine Form von Unterstützung dafür zu bekommen. Sowohl die Plattenindustrie als auch mein Verleger wollten nichts davon wissen, weil es nun mal nicht gerade ein kommerzielles Projekt ist. Wie wir alle wissen, gibt es nur eine Sache, die heutzutage von Bedeutung ist: Kommerziell verwertbare Musik.“

Vom Punk zu Rilke ist es eben nur so weit wie von Rilke zum Punk. Clark, die eh von der Lyrik her kommt, dem gesprochenen Wort, hat eine einleuchtende Erklärung dafür, wie kurz die weiten Wege sind:

    „Die Menschen sind nun mal nicht alle dumm und einfältig. Sie wollen sich ab und zu mit anderen Sachen befassen.“

Das vorauszusetzen, dürfte die beste Methode sein als Musikerin, unabhängig zu bleiben. Es gibt die sehr schöne Geschichte von ihr, sie sei eines Tages mit einer Kamera auf die Bühne gegangen, habe die Kamera auf ihre Fans gedreht und gesagt:

    „Winkt mal. Meine Plattenfirma behauptet, es gäbe Euch nicht.“

Es gibt uns. Und wenn sie zu uns kommt, wird es ihre Band geben mit Steve Schroyder von Tangerine Dream & dem Star Sounds Orchestra [Electronics], mit Murat Parlak [Vocals, Keyboards, Klavier], Jann Michael Engel [E-Cello], Tobias Haas [Schlagzeug] und Jeff Aug [Gitarre].

Und dann wird es einen Abend geben, der die gesamte Palette von Clarks Schaffen abbildet inklusive Sleeper in Metropolis, Our Darkness, Abuse usw. Und inklusive auch ihres Psalms vom jüngsten Alben, darin die Zeile

    I don’t need your gods. I need human beings.


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