Homs, Hama, Aleppo

Gabriele del Grande berichtet aus Syrien

Destruction in Bab Dreeb area in Homs, Syria 2012

“Plötzlich ist ein Schwarm schwarzer Vögel am Himmel zu sehen. Dieses Mal ist die Explosion heftiger als sonst.”

Anfang Oktober war Gabriele del Grande in Aleppo, der zweitgrößten Stadt Syriens und einer der ältesten Städte in der Region.

“Ein Luftangriff, wieder einmal. Aus einer nahegelegenen Straße steigt eine Rauchsäule auf. Weitere Explosionen folgen in wohl einem Kilometer Entfernung, mitten in einem Wohngebiet, fern von militärischen Zielen.”

Del Grande, Jour­na­lis­t, Blogger und Autor von Mamadous Fahrt in den Tod, hat versucht, ein Bild zu gewinnen von dem Entsetzlichen, das in Syrien geschieht. Anders als die Couch-Experten im TV hat er Kämpfende der verschiedenen Gruppierungen interviewt, von der freien syrischen Armee bis hin zu den islamistischen Söldnern der Mujaheddin.

Del Grande ist Menschenrechtler, er hat nach ihren Beweggründen gefragt, nach Überzeugungen, die stabiler sind und massiver als die Mauern von Homs. Lange Wochen ist der 30jährige del Grande durchs Land gehetzt zusammen mit den Flüchtenden, die es, wenn sie Glück genug hatten, in die Flüchtlingslager auf der türkischen Seite der Grenze schafften:

„Sie kommen aus Rastan, Jabal Akrad, Homs, Hama, Aleppo und sogar aus Damaskus. Es sind vor allem Frauen und Kinder. Sie entkamen den Fliegerbomben, die auf Zivilisten abgeworfen wurden, den vom Regime verübten Massakern in den aufständischen Gebieten oder Gefechten zwischen regulären Soldaten und Rebellen.“

Vor zwei Jahren wurde del Grande mit dem Menschenrechtspreis von Pro Asyl ausgezeichnet; hier ein absolut lesenswertes Interview mit ihm. Großen Dank an die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum, die Gabriele del Grande in unsere Stadt geholt hat. Im Rahmen ihrer Menschenrechtsarbeit unterstützt die MFH die gewaltfreie demokratische Bewegung in Syrien, die akut Gefahr läuft, zwischen den Fronten zerrieben zu werden.

Zwei Tage vor dem Abend bei uns, am Montag, 26. November, um 19:30 Uhr im KulturCafé der Ruhr Uni, liest del Grande aus seinem eben erschienenen Buch “Das Meer zwischen uns”. Auch hier hält er seine Perspektive durch, berichtet von Müttern und Vätern, von Ehemännern und Ehefrauen, von Geschwistern und Freunden, die geliebte Menschen bei der Flucht übers Mittelmeer verloren haben. Berichtet von Menschen, die seit Jahren in Abschiebehaft und Gefängnissen eingesperrt sind ohne Kontakt zu ihren Familien, und von Behörden, die sich keiner Schuld bewusst sind.


>> Mittwoch 28. Nov. 19:30 Uhr | Christuskirche Bochum | Nebenräume Westring 26 c
>> Eintritt frei