Damenwahl

"Die Priester" und ein Kommentar von uns

Kladderadatsch: „Damenwahl 1919“ von Gustav Brand | (cc)

Wer auf die Popbühne steigt und sagt, wir sind die Priester und ihr seid es nicht, der könnte tun, was er ist, und dafür singen, dass er es sei. Oder eben, das wäre die Alternative, Frauen die Eucharistiefeier singen lassen. Die Idee dafür ist 500 Jahre alt:

Luther hat die Bibel unters Volk gebracht so wie später der Pop die feudale Musik. Beide Male geht es darum, selber zu entscheiden, was wir lesen und singen und hören.

Und mögen. Weshalb auch das Voting, das den Song Contest entscheiden wird, nicht passen will zu dem, was DIE PRIESTER tun: Geht es um Pop, stellen sie sich selber und was sie tun zur Wahl. Geht es um ihr Amt, gilt dagegen, was Norbert Lammert sagte:

Würde in der katholischen Kirche gewählt, “wären Bischofskonferenzen anders besetzt”.

Wir drücken die Daumen für den Contest. Und laden ein zum Konzert:

>> DIE PRIESTER [ohne Mojca Erdmann] | Samstag, 9. März, 20 Uhr
>> Tickets ab 44,65 Euro

Zur Zeichnung oben

Ihr Titel: “Damenwahl am 19. Januar”. 

An dem Tag, 19. Januar 1919, konnten in Deutschland erstmals Frauen wählen und gewählt werden. Die Zeichnung war Titel des Kladderadatsch, einer damals populären, keineswegs linken Satire-Zeitschrift. Deren national-liberale Tradition ging auf 1848 zurück, auf die gescheiterte bürgerliche Revolution.

Gustav Brandt zählte damals zu den bekannten Karikaturisten im Lande, seine Zeichnung oben entstand in einer auch für ihn selber offenen Situation: Der Kaiser hatte “abgedankt”, nichts weniger als die Republik stand zur Wahl. Seitdem führt der Weg ins Parlament über Frauen.

Was allerdings dann auch für den Weg galt, den die Republik anschließend nahm: Auch die Nazis wurden von Frauen gewählt. Ähnlich der Weg, den der Kladderadatsch wählte: Die Zeitung schwenkte schon in den 20er Jahren über und ging September 1944 ein.

Hier das Pressefoto von Die Priester zusammen mit Mojca Erdmann, es erinnert frappant an den Kladderadatsch von 1919. Was so betrachtet bedeutet, dass es eine Situation zitiert, die offen war: Werden Priester zur Boygroup?

ARD Eurovision | Pressefoto (c)