Hymn To Cecilia

Chorwerk Ruhr singt Benjamin Britten

Santa Cecilia in Trastevere, Rom | Foto Paul Hermans (cc)

“Gleich einem schwarzen Schwan beim Einzug des Todes”:

1942 fuhr Benjamin Britten mitten hinein in den Krieg, dem er entkommen wollte. Drei Jahre zuvor, als der Krieg begonnen hatte, war er, überzeugter Pazifist, in die USA entflohen, er kehrte zurück, als Englands Städte verwüstet worden waren. Kein Pazifist der Welt hatte deutsche Nazis abgehalten, diese Welt in Schutt zu legen.

Mehr als 40 000 britische Zivilisten waren bei den Luftangriffen ermordet worden, mehr als 50 000 britische Piloten werden am Ende ihr Leben gegeben haben dafür, Frieden zu schaffen. Dieser Krieg hatte keinen dritten Ort, und er war nicht entschieden, als Britten sich entschied, in ihn hinein zu fahren.

Aber kaum dass er an Bord des Schiffes gegangen war, wurde Hymn To Cecilia, sein noch unfertiges Manuskript, beschlagnahmt. Aus militärischen Gründen: Noten, hieß es, seien imstande, geheime Botschaften zu transportieren. Was ja nun stimmt, so oder so.

Also schrieb Britten auf dem Schiff, das ihn hinein fuhr in den Krieg, sein Stück und dessen Botschaft erneut:

Gleich einem schwarzen Schwan beim Einzug des Todes /
Ergoss Sie ihren Gesang in vollkommener Ruhe …

Er schrieb nicht über sich und seine Fahrt in den Krieg, er schrieb über Cecilia, eine Frau, die der Legende nach 1700 Jahre zuvor als Märtyrerin in Rom gestorben war. Eine, die keine Waffen bei sich trug außer ihre Überzeugung:

Die Unschuldige errichtete am Rande des Ozeans /
eine Orgel, um ihr Gebet zu erhöhen.

Am Rande jenes Ozeans, den Britten soeben durchquerte. Cecilia, so geht die Legende, habe kriegsfromme Römer zu friedlichen Christen bekehrt, dafür sollte sie enthauptet werden.

Beim Versuch, ihr den Kopf abzutrennen, sei ihr Henker dreimal gescheitert, Cecilia habe ihre Ermordung um Tage überlebt. Seit Jahrhunderten gilt sie als Patronin der Kirchenmusik …

… und das ist, was man mithören muss in all der Harmonie, die der Kirchen- und Brittens Chormusik entströmt, es ist Musik,

die in Dankbarkeit erschallt
Vom Atem Genesender, die den Tod enteilt.

Der Text für Brittens “Hymn to Cecilia” stammt von W. H. Auden, Pazifist wie Britten, zusammen waren sie 1939 in die USA geflohen. Im November dieses Jahres wäre Britten 100 Jahre alt geworden, und es bleibt eines der Rätsel Europas, warum seine Hymn To Cecilia zu den großen und populären Chorwerken in England zählt, das in Deutschland kaum wer kennt:

Kein Schatten,   
Vor dem ich fliehen kann,
 ich spiele nur.


>> ChorWerk Ruhr | 28er Besetzung | Leitung: Florian Helgath

>> In Zusammenarbeit mit Kulturbüro der Stadt Bochum und Kultursekretariat NRW


Was Brittens Hymn to Cecilia mit der Christuskirche verbindet:

Seit 1931 wird England im alten Turm der Christuskirche als “Feindstaat Deutschlands” erinnert. 1943 legten vermutlich britische Piloten die Christuskirche in Trümmern. 1959 wurde das neue Kirchenschiff eingeweiht, seine architektonische Gestalt ähnelt frappant dem Neubau der Kathedrale in Coventry, die etwa gleichzeitig entstand, ohne dass Abhängigkeiten bekannt geworden wären.  Zur Einweihung der Schwesterkirche in Coventry wurde Brittens “War Requiem” uraufgeführt.

Mehr als 40 000 britische Zivilisten waren bei den Luftangriffen ermordet worden, mehr als 50 000 britische Piloten werden am Ende ihr Leben gegeben haben dafür, Frieden zu schaffen. Dieser Krieg hatte keinen dritten Ort, und er war nicht entschieden, als Britten sich entschied, in ihn hinein zu fahren.

Kaum aber, dass er an Bord des Schiffes gegangen war, wurde Hymn To Cecilia, sein unfertiges Manuskript, beschlagnahmt. Aus militärischen Gründen: Noten, hieß es, seien imstande, geheime Botschaften zu transportieren. So schrieb Britten auf dem Schiff, das ihn hinein fuhr in den Krieg, sein Stück und dessen Botschaft erneut:

Gleich einem schwarzen Schwan beim Einzug des Todes /
Ergoss Sie ihren Gesang in vollkommener Ruhe …

Er schrieb nicht über sich, er schrieb über Cecilia, eine Frau, die der Legende nach 1700 Jahre zuvor als Märtyrerin in Rom gestorben war. Eine, die nichts an Waffen bei sich trug außer ihrer Überzeugung:

Die Unschuldige errichtete am Rande des Ozeans /
eine Orgel, um ihr Gebet zu erhöhen.

Am Rande jenes Ozeans, den Britten soeben durchquerte. Cecilia, so geht die Legende, habe kriegsfromme Römer zu friedlichen Christen bekehrt, sie sollte enthauptet werden. Beim Versuch, ihr den Kopf abzutrennen, sei ihr Henker dreimal gescheitert, Cecilia habe ihre Ermordung um Tage überlebt. Seit Jahrhunderten gilt sie als Patronin der Kirchenmusik …

… und das ist, was man mithören muss in all der Harmonie, die der Kirchen- und Brittens Chormusik entströmt, es ist Musik,

die in Dankbarkeit erschallt
Vom Atem Genesender, die den Tod enteilt.

Der Text für Brittens “Hymn to Cecilia” stammt von W. H. Auden, Pazifist wie Britten, zusammen waren sie 1939 in die USA geflohen. Im November dieses Jahres wäre Britten 100 Jahre alt geworden, es bleibt eines der Rätsel Europas, warum seine Hymn To Cecilia in England zu den großen und populären Chorwerken zählt und in Deutschland kaum wer kennt:

Kein Schatten,   
Vor dem ich fliehen kann,
 ich spiele nur.

 >> ChorWerk Ruhr | 28er Besetzung | Leitung: Florian Helgath

>> Was Brittens Hymn to Cecilia mit der Christuskirche verbindet: Seit 1931 wird England im alten Turm der Christuskirche als “Feindstaat Deutschlands” erinnert. 1943 legten vermutlich britische Piloten die Christuskirche in Trümmern. 1959 wurde das neue Kirchenschiff eingeweiht, seine architektonische Gestalt ähnelt frappant dem Neubau der Kathedrale in Coventry, die etwa gleichzeitig entstand, ohne dass Abhängigkeiten bekannt wären.  Zur Einweihung der Schwesterkirche in Coventry wurde Brittens “War Requiem” uraufgeführt.

>> In Zusammenarbeit mit Kulturbüro der Stadt Bochum und Kultursekretariat NRW