Hidden Orchestra

feat. Poppy Ackroyd | urban urtyp #27

Poppy Ackroyd feat. Hidden Orchestra in der Christuskirche by Michael Schwettmann (c)

Sie können, was großes Kino kann: eine Geschichte erzählen, die man nicht kennt, das aber so, als ob es die eigene sei. Man fällt nicht hinein in diese Musik, man findet sich in ihr vor.

Was ja in guten Filmen passiert, dass man sich anderswo vorfindet, und was die besten Filme sind, die spielen im eigenen Kopf. Hidden Orchestra hören ist so ein Dreh, die Edinburgher bedienen Tasten, Saiten und Soundmaschinen, dazu zwei Drum-Sets in Vollausstattung. Das Ergebnis klingt ziemlich komplex, ist aber zugänglich:

Musik, derart studiert und verschraubt, dass wirklich jeder sie nachvollziehen kann. Wie ein Spaziergang durch den eigenen Kopf.

Langsame Basslinien, von entspannten Rhythmen getragen, deren Bahnen akustische Instrumente kreuzen, Triphop vom Jazz inspiriert. Eingehüllt in elektronische Sounds, die so organisch wirken, als seien sie freier Natur entsprungen.

Alles zusammen verrät eine Menge klassischen Einfluss, was aber auch nichts erklärt: Zwei oder drei von ihnen, ich weiß es nicht genau, haben klassische Musik studiert, aber als Hidden Orchestra treiben sie der Klassik jede Dramatik aus, diese dramatische Effektaufbau im Minutentakt, der einen in klassischer Musik hartnäckig oft überrollt, bis es einem irgendwann egal wird.

Beim Hidden Orchestra ist es anders, man steht mit leeren Händen und vollem Herzen da. Es gibt kein Ziel, das sich erreichen ließe, es wartet keine Erlösung auf diese Musik, und das ist das Beste an ihr, der Film geht weiter. [Schon klasse, dass so eine Band  –  und jetzt auch Poppy Ackroyd mit ihrem Solo-Album  –  bei Denovali sind, dem Label nebenan.]

>> Hidden Orchestra feat. Poppy Ackroyd
>> Sonntag 7. April 19 Uhr