Vom Ende des Zockens

Interview über die Lust am Spiel

Foto: Jan Rehschuh (cc)

ruhrgestalten ist erstens ein Print-Magazin und zweitens eine Empfehlung. Drittens ist jetzt die siebte Ausgabe erschienen, es geht ums Zocken:

Sind Sie ein Zocker, auch im übertragenen Sinne?

Das Wort “zocken” stammt von dem hebräischen Wort für “spielen” ab, im Hebräischen bedeutet “spielen” dasselbe wie “lachen”. Wäre also, biblisch gesehen, um jeden schade, der kein Zocker ist.

Was sagt denn die Bibel zum Glücksspiel?

Man denkt immer, irgendwo stünde da “Du sollst nicht glücksspielen”, aber das steht nirgends. Als Abraham und Sara  –  die beiden stehen ja nun Modell für immerhin drei Weltreligionen  –  einen Sohn bekommen, nennen sie ihn Isaak, der Name bedeutet soviel wie “Gott lacht” oder auch “Gott bringt zum Lachen”. Und weil “lachen” im Hebräischen dasselbe bedeutet wie “spielen”, klingt immer mit, dass “Gott spielt” oder einen “zum Spielen bringt”.

Auch zum Zocken?

Schon möglich. Die Frage ist doch, wann kippt das Spiel des Lebens um in tödlichen Ernst. Ich glaube, das passiert immer dann, wenn eine Entweder-Oder-Situation entstanden ist, wenn es keine anderen Möglichkeiten mehr gibt, keine spielerischen. “1 Volk, 1 Reich, 1 Führer” ist das Ende des Zockens, da gilt nur noch das Fressen oder Gefressenwerden. Und das ist der Grund, warum die Bibel die 1 aus dem Spiel genommen hat. Die 1 bleibt für Gott reserviert, für uns ist der Plural von 2 bis unendlich: Adam war auch Adama, der Mensch die Menschin, selbst das Evangelium  –  “das” Evangelium  –  hat es nie als das eine gegeben, es sind genau so viele, wie es Himmelsrichtungen gibt. Alle denkbaren Perspektiven auf die 1 Wahrheit, aber die 1 bleibt bei Gott. Biblische Theologie ist anti-totalitär.

Da hört das Spielen auf?

Oder umgekehrt: Am Ende werde alles zum Spiel, dann könnten selbst Mensch und Natur so miteinander spielen “wie ein Säugling am Loch der Otter”.

Wo steht das?

Bei Jesaja.

Wie viel Risiko im Leben ist zu viel? Welche Sicherheit brauchen Sie neben der beruflichen und damit einhergehend im Glauben?

Es gibt ja die Pascalsche Wette, diesen Zirkelschluss von Blaise Pascal, dass man, wenn man auf Gott setzt, in jedem Fall die besseren Gewinnchancen hätte: Falls sich der Glaube bewahrheite, meinte Pascal, hätte man alles gewonnen, falls nicht, hätte man zumindest nichts verloren. Umgekehrt hätte, wer nicht glaubt, in keinem Fall etwas zu gewinnen, könnte aber womöglich alles verlieren. Die Argumentation erinnert an eine Versicherungspolice, wobei das, was diese Wette reguliert, eben kein ewiges Leben ist, sondern das eigene, das man doch hat und spielen soll. Glaube ist Risiko, er steht selber auf dem Spiel, er kann verlieren. Während Gott als Versicherungspolice doch etwas lebensunfroh klingt. Ich denke, der Zweifel gehört zum Glauben wie das Risiko zum Spiel.

Wofür würden Sie Ihre Kirche aufs Spiel setzen?

Für den Messias.