Wie es ist, in einem Fluss zu baden …

Albert Hammond, die Politik und das Thema Umwelt

Albert Hammond Plattencover 1974

Andere schreiben Tagebuch, Hammond schreibt Welthits: Unglaublich, wie viele Melodien, die in seinem Kopf entstanden sind, durch den eigenen schwirren. Keine Kirmeslieder, 99 Miles From L.A. etwa oder The Air That I Breath sind komplizierte Songs, die lassen sich nicht leicht nachpfeifen. Vielleicht irre ich mich, aber Hammond war der erste SingerSongwriter, der es ins deutsche Wohnzimmer gebracht hat.

Der es geschafft hat, Songs dieser Güte in eine Wohnwelt zu bringen, in der Hits noch immer Paraden waren. Ein Mann mit Gitarre, jungenhaft wie Dustin Hoffman, gelockt wie Adonis  –  Hammond passte nicht in Dieter Hecksparaden Welt. Nirgends ein Zug nach Nirgendwo, hier geht es um 99 Miles. Sehnsucht braucht Übersicht.

In anderen seiner Songs denkt man, es ginge auf eine Party, während er einem tatsächlich die allerdeutschesten Themen serviert: Umweltzerstörung. Und die Sache mit dem Frieden.

Das mit dem Umweltschutz hatte, zugegeben, Alexandra vorher bereits in die Schlagerwelt gebracht, in “Mein Freund, der Baum” (ist klar: “ist tot”) hatte sie einen Ton angeschlagen, der so vertraut war wie Landser-Romantik:

    Er fiel im frühen Morgenrot
    Du fielst heut früh, ich kam zu spät
    Du musst gefällt am Wegrand liegen

usw., wie es sich so gedichtet hat 33 Jahre nach Ende des Krieges. Anders Albert Hammond, Down By The River kommt gut gelaunt daher, als ginge es um eine Grillparty am Fluss. Geht es auch, Hammond singt im Plauderton davon, wie es ist, in einem Fluss zu baden, der industriell verseucht ist:

    The doctor put us both to bed,
    he dosed us up and he shook his head,
    Only foolish people go, he said ,
    down by the river.

Und wieso ist der Fluss gekippt?

    From the waste from the factories
    down by the river.

Den Song hatte Hammond 1969 veröffentlicht, 1975 kam er damit in die deutschen Charts, die Grünen kamen fünf Jahre später, die Sandoz-Katastrophe nochmal sechs Jahre drauf.

Überraschend auch die Kurve, die Hammond in These Are The Good Old Days nimmt. Keiner seiner besseren Songs, aber einer, der sich in aller Partytauglichkeit zum Antikriegssong wandelt:

    While all the sad young men go marching off to war
    The old men shake their heads and say we’ve seen it all before
    But how are they to know the lesson takes so long
    And by the time you’ve found the answer life is almost gone
    These are the good old days this is the best time of my life …

Wann wird man je verstehen … das ist der Tenor dieses Liedes. Nur eben nicht treu deutsch vorgetragen: Hammond wurde 1944 in eine von Deutschen zerbombte Welt hinein geboren. Dass er Good Old Days überhaupt erleben kann, war ihm an keiner Wiege gesungen.

>> Sonntag 5. Mai 2013, 20 Uhr
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