“Überwältigender Sakral-Jazz”

Enders Dome feat. Molvaer | Review von Max Kühlem, RN

Nils Petter Molvaer in der Christuskirche by Heinrich Brinkmöller-Becker

BOCHUM Dass die Christuskirche der interessanteste Konzertraum der Stadt ist, sollte sich mittlerweile herum gesprochen haben. Was das Jazzprojekt Enders Dome mit dem norwegischen Trompeter Nils Petter Molvaer dort anstellte, war trotzdem überraschend – und oft überwältigend schön.

Kritik von Max Kühlem in den RUHR NACHRICHTEN

Der deutsche Saxophonist Johannes Enders hatte 2007 einige Jazzmusiker in die romanische Kirche St. Michael im bayrischen Altenstadt geladen, um dort eine Musik zwischen Jazz, Ambiente und Minimal Music zu entwickeln. Auch unter der aus Beton gefalteten Decke der abstrakt-kubistischen Christuskirche geht das Konzept voll auf.

Schlichte Motive

Im weiten Hallraum verschwimmen schlichte Motive Molvaers und Enders, hypnotische Grooves des Percussionisten Gregor Hilbe und erstaunliche Orgel-Atmosphären von Andy Lutter zu einem spannungsvollen, fremdartigen Klanggemälde.

Die komplette Besatzung von „Enders Dome“ steht am Samstagabend auf der Orgelempore. Das Publikum, das bei einem reinen Orgelkonzert auch gern mal mit geschlossenen Augen in Richtung Altarraum sitzen bleibt, sitzt hier jedoch andersherum auf den Kirchenbänken oder auf Stühlen rund um den Altar. Ein schönes Bild für die Außergewöhnlichkeit dieses grenzenlosen Konzerts.

Spirituelles und Weltliches

In den Kompositionen der Musiker ist für viele Assoziationen Platz. In manchen Stücken klingen die Orgelmotive so, als ob sich aus ihnen auch ein Hardrocksong entwickeln könnte. Und Gregor Hilbe entlockte seinem minimalistischen Schlagzeug oft Rhythmen, die an die Riten von Urvölkern erinnerten.

Doch schon im nächsten Moment kann es wirken, als spiele er von aktueller elektronischer Musik inspiriert. So kommen hier auf erstaunliche Weise spirituelle und weltliche Musik zusammen.