“Uncool ist das neue Cool”

Aimee Mann, die große Eigensinnige, in der Christuskirche: Kritik von Max Kühlem, RN

Aimee Mann by Olaf Rauch

Der Song “Save Me” ist so berührend, dass er kürzlich sogar Hillary Clinton und George W. Bush zusammenbrachte. Vereint waren sie in der Begeisterung für die amerikanische Songschreiberin Aimee Mann. In der Christuskirche Bochum erzählte sie von diesem seltsamen Auftritt  –  und spielte ein ganz hervorragendes Konzert für 400 begeisterte Fans.

Darf man ein Band-T-Shirt tragen, wenn man selbst die Band ist, auf dem Shirt außerdem zweimal das eigene Gesicht abgebildet ist und man zu allem Überfluss auch noch den Support begleitet? Aimee Mann und der Sänger und Songschreiber Ted Leo diskutierten diese Frage bei seinem Auftritt mühvoll, aber sehr komisch auf Deutsch. Aimee Mann durfte das Aimee-Mann-Shirt schließlich anbehalten: “Das ist so uncool, dass es schon wieder cool ist”, bescheinigte ihr Ted Leo, mit dem sie bald ein Duo-Album herausbringt.

Cool oder uncool, das hat Aimee Mann noch nie sonderlich interessiert. Als sie von großen Plattenlabels gedrängt wurde, hit-verdächtige Songs zu schreiben und Gesangsunterricht zu nehmen, musizierte sie öffentlichkeitswirksam und eigensinnig auf ihrem eigenen Label weiter.

Auch dass sie für “Save Me”, das sie für den Film “Magnolia” geschrieben hatte, nicht den Oscar bekam, störte sie nicht wirklich. Jeder weiß ja, dass “Save Me” besser war als Phil Collins zugegebenermaßen ebenfalls großartige “Tarzan”-Schnulze “You’ll Be In My Heart”.

Gänsehaut-Momente

In der Christuskirche ist die Performance von “Save Me” einer von vielen Gänsehaut-Momenten. Noch ergreifender ist höchstens “4th of July” von ihrem Debütalbum “Whatever”, bei dem Pianist Jamie Edwards auf die Empore steigt und den traumhaft illuminierten Kirchenraum mit sanften Orgelklängen füllt.

Überhaupt geht Aimee Manns Akustik-Konzept voll auf: Ihre Songs sind so fein und ihre Stimme gerade in den hohen Lagen so zart und zerbrechlich, dass es nicht mehr braucht als ein paar perlende Läufe am Flügel, einen warmen, erdigen Bass und die Harmoniegesänge der Kollegen.