Last Order: Irish Pub, Mary Black

Abschied von einer großen Stimme

Smoker Stencil – A two-layer stencil on a building in Portland, Maine | by Marxxx (cc)

Abschied von einer großen Stimme: Nach 30 Jahren weltweiter Tourneen wird The Last Call die letzte Konzertreise sein, die Mary Black unternimmt, ab dann wird man sie nur noch hören, wo Irland Stimme gewonnen hat, in irischen Pubs und Clubs.

Solange es irische Pubs und Clubs noch gibt: Seit 2004 gilt ein totales Rauchverbot, mal sehen, wie lange man dort noch singen wird.

“Pub” ist Kurzform für public house, einen öffentlichen Platz mit einem Dach obendrauf. Hier hat Mary Black das Singen gelernt, eben dieses öffentliche Haus verschwindet. Sei es wegen Wirtschaftskrise, Bierpreisen oder Rauchverbot, Pubs gehen in die Knie, und was da in Irland zuerst und seitdem in ganz Europa auf die Knie gezwungen wird, ist Öffentlichkeit.

Eine eminent bürgerliche Öffentlichkeit, mit Gasthaus und Gotteshaus verschwinden ja keine geschlossenen Ideologien, sondern die Möglichkeit, sich ein Bild von der Welt zu machen und es abzugleichen mit dem, das andere von dieser Welt haben. Singen im Pub ist öffentliche Rede, Singen in der Kirche ist es auch.

Last Order – hier Mary Blacks “Song for Ireland”, ihr vielleicht schönster Song in einer Mischung, wie nur Briten sie hinkriegen: eine Stimme, ein paar Tasten auf einem Piano, und dann die See, der Wind, die Weite.


>> 29. Januar, 20 Uhr

ZUM FOTO

Auch dieses Dubliner Pub, schreibt O’Flanagan, der Fotograph, ist inzwischen geschlossen, das Foto stammt aus 2010. “The name, Tenter, is a local name for the area north of the pub. In the 1700’s French Huguenots came here and practised making poplin. The sight of large sheets of the material gave rise to the local name, which lives long after the trade has long ceased.”

Also nochmal der Reihe nach: Zuerst die Protestanten, dann das Handwerk, dann das Pub, dann eine ganze Region, und dann ging das Handwerk zugrunde. Was wird mit den andern.