Der Ukraine gewidmet

Elena Chekanova & Ensemble | 27. September 2014-09 Babi_Jar_ravijn by Mark Voorendt april 2003

Ein ungeheurer Vergleich, Putin hat ihn angestrengt: Die ukrainische Armee erinnere ihn an die Wehrmacht. Wir erinnern uns an Babi Jar:

Am 27. September 1941  –  Elena Chekanova hat ihr Konzert bei uns auf eben diesen Tag gelegt  –  trafen sich höhere Wehrmachts-, SS- und Polizeifunktionäre in Kiew und beschlossen, alle Juden der Stadt zu „evakuieren“. Der folgende Tag war ein Sonntag, den Montag und Dienstag über wurden 33.771 Menschen nach Babi Jar gebracht, einer idyllisch bewaldeten Schlucht vor der Stadt, und ermordet. Per Hand und wie im Akkord. “Aber ich riss mich los und entkam.”

So berichtet es Michail Rosenberg, er war 8 Jahre alt, als die Deutschen kamen, um ihn und seine Familie nach Babi Jar zu transportieren:

“Mutter hielt mich ganz fest, drückte mich an sich und sagte: Wenn wir sterben, dann zusammen, damit du nicht leiden musst.’ Aber ich riss mich los, sprang durchs Fenster und entkam.”

Auch Ruwin Schtejn, damals 15 Jahre alt, hat das Massenmorden gesehen – und entkam:

“Ich erinnere mich sehr gut an diesen warmen und sonnigen Herbsttag 1941. Wohin man sah, überall war Grün, Sonne und frische Luft …”

Von denen, die entkommen sind, leben heute einige in Bochum, Felix Lipski etwa und seine Frau Sophia. Sie können bezeugen, wie Massenmorden zum Handwerk wurde für Leute, mit denen man andernorts Kegeln ginge oder shoppen. Durch sie, Felix und Sophia, habe ich erst begriffen, dass das, was wir als Holocaust kennen, nicht nur industriell organisiertes Morden war  –  Auschwitz als Fabrikation von Mord  –  sondern im selben Unmaß Handarbeit. Man muss sich das klarmachen: Erschießen bedeutet, in die Augen zu sehen. Und dennoch nicht zu zögern.

Es ist Historikern wie Boris Zabarko zu verdanken, dass die Erinnerung  –  in der Sowjetunion wurden keine jüdischen Opfer erinnert, nur “Sowjetbürger”  –  bewahrt worden ist. Kinder als Augenzeugen des Holocaust … es braucht nicht viel Einfühlsvermögen, um sich vorzustellen, was das für ein Leben bedeutet.

Aber erst vor ein paar Tagen wurde für alle, die nachweisen können, als Kind mindestens 6 Monate in einem Ghetto überlebt zu haben, eine „Entschädigungssumme“ vereinbart: Die Bundesrepublik zahlt einmalig 2500 EUR. Auf 6 Monate umgelegt sind das 13,66 EUR je Tag bei einem Stundenlohn von 57 Cent. Wer länger überlebt hat, entsprechend weniger.

Ich habe nicht den Eindruck, dass man in Deutschland ein Gefühl dafür hat, was gerade in der Ukraine geschieht.


>> Elena Chekanova & Ensemble: Gegen das Vergessen. Der Ukraine gewidmet
>> Samstag, 27. September 20 Uhr
>> Tickets 12 / 15 EUR