Das Paradies und die Peri

Opfer-Mythos mit leichter Hand zerlegt: Schumanns "weltliches Oratorium" passt in die Gegenwart wie noch nie.

Knocking on Heavens Door by Vincent_AF, NL (cc)

Die Idee, dass es ein Paradies geben könnte, hat in letzter Zeit gelitten: Statt Urlaubsfotos vom Ferienparadies drängen sich durchgeknallte Schlächter auf, die glauben, sie würden dafür belohnt, sich selber und andere aus der Welt zu bomben. Schumann hat sein Oratorium, 1843 komponiert, ein “weltliches” genannt, ein

“Oratorium für heitere Menschen”.

Entstanden in einer Zeit, in der die Orient-Sehnsucht en vogue war, erzählt es die Geschichte eines Engels, persisch: Peri, die  –  es ist ein Mädchen-Engel  –  aus dem Paradies heraus gefallen ist. Um wieder eingelassen zu werden, kommt sie auf die Idee, “des Himmels liebste Gabe” mitzubringen, ein Mitbringsel, das für die Peri sprechen mag, indem es für sich selber spricht.

Nur was könnte es sein, was träfe den himmlischen Geschmack?

Vielleicht das “letzte Tröpflein Blut” eines Kämpfers, der sich, märtyrer-gleich, für eine große Idee geopfert hat?

Die Peri findet denn auch einen “kühnen Helden”, der sich umgehend hinweg opfert, und trägt sein Blut ans Tor “mit schüchterner Gebärde”.

Der Himmel? Lehnt dankend ab.

So geht es zu an den “Stufen zu Allahs Thron”.

Wie gesagt, es ist ein “weltliches Oratorium”, das Schumann erzählt, ein intelligenter Kommentar zur Gegenwart. Hätte ich nicht gedacht, dass Klassik mit so leichter Hand den Opfer-Mythos zerlegen kann, der dieser Tage in Mode ist wie es in Schumanns Tagen die Orient-Romantik war.

Schumanns Geschichte geht dann so weiter: Die Peri landet, vom Himmel abgewiesen, am Nil, einer Gegend, in der heute entweder die Muslim-Bruderschaft oder al Quaida den Terror predigen, dort trifft sie  … aber hören Sie selbst, am Ende schafft das Mädchen es tatsächlich, eine Gabe auf die “Stufen zu Allahs Thron” zu legen.


Robert Schumann (1810 – 1856)

Das Paradies und die Peri
Weltliches Oratorium für Soli, Chor und Orchetser, op. 50

Johanna Winkel | Sopran (Peri)
Heidi Elisabeth Meier | Sopran (Jungfrau)
Sophie Harmsen | Alt (Engel)
Andreas Weller | Tenor (Erzähler, Jüngling)
Thomas Laske | Bass (Gazna)

Stadtkantorei Bochum, Bochumer Symphoniker
Arno Hartmann, Leitung

»VVK 19 EUR zzgl. Geb. | bis 25 Jahre halber Preis