“Radikaler Individualismus”

Mystik und Qntal

QNTAL VII Booklet [Ausschnitt]

Nietzsche vorweg, dieser Satz: “Wo Sehnsucht und Verzweiflung sich paaren, da entsteht die Mystik.”

Eine erstaunliche Bemerkung, ein anderer Zugang zu QNTAL: Die mystische Erfahrung  –   also das, an was Qntal in der Musik erinnert  –  sei eben nicht die, dass der Mensch eins werde mit Gott, sondern Nietzsche zufolge ist es so, dass die eigene Sehnsucht sich mit der eigenen Verzweiflung vereine.

Wenn man QNTAL VII hört, kann man dieser inneren Begegnung nachhören, der “inneren Offenbarung”, wie Paul Tillich die Mystik genannt hat. QNTAL nehmen Texte auf von Meister Eckhart ebenso wie von Lord Byron wie auch von zeitgenössischen Autoren, es geht aus dem 12. ins 21. Jahrhundert und es um was? um uns:

Mystik ist “radikaler religiöser Individualismus”.

So Ernst Troeltsch über die mystische Erfahrung, seine Bestimmung ist klassisch geworden, sie leuchtet ein: Wer sich selber in unverdienter Einheit mit Gott erfährt, dem dürfte es nicht an Selbstachtung fehlen, nicht an Selbstgefühl, nicht an Selbständigkeit gegenüber irdischen Mächten.

So gesehen ist Mystik anti-autoritär, der Einzelne hält etwas in sich zurück, an das keine Macht heran reicht.

Was zu großer Unabhängigkeit führen kann  –  Dietrich Bonhoeffer beispielsweise war mystisch geprägt  –  aber eben auch zum großen Irrlichtern: zur Licht- und Sonnenmystik im “Germanentum”, zu okkulter Wissenschaft und esoterischer Medizin und zur “Metaphysik der dummen Kerle”, wie Adorno über den Drang gesagt hat, die eigene Individualität in ominöser Einheit aufgehen zu lassen.

Im großen Brei verschwinden, sich selber vergessen … es ist Sehnsucht und Verzweiflung in eins, darum das, was Nietzsche Mystik nannte.