Spielzeit? Spielraum?

Über einen Slogan von Bonhoeffer

Bilderlos: ALtarwand der Christuskirche | thw

Derzeit stehen 40 oder 50 Veranstaltungen auf dem Zettel, man könnte sagen, dass eine Spielzeit beginnt. Sagen wir es, gucken manche irritiert: Spielzeit? In einer Kirche?

Das Unbehagen ist interessant, es gilt offenbar nicht dem Spiel, sondern der Zeit: Sobald man von Kirche als einem Spiel-Raum spricht, nicken alle Köpfe. Raum ist plausibel, Zeit nicht.

Vom “Spielraum der Freiheit” hat jedenfalls das Kulturbüro der EKD oft und gern gesprochen, ohne viel Widerspruch zu ernten. Der Slogan vom Spielraum geht auf Dietrich Bonhoeffer zurück, allerdings steht das bei ihm – also die Behauptung, dass Kultur ein Raum sei, der Freiheit frei setze – ziemlich verdruckst in seiner „Mandatenlehre“ da, und die geht wiederum so:

Gott, so Bonhoeffer, habe die Welt in vier Geschäftsbereiche unterteilt und alle Menschen damit beauftragt, diese Bereiche zu bewirtschaften, als da seien:

“Obrigkeit –  Arbeit  –  Ehe  –  Kirche”.

Seltsame Liste, oder? Als sei die Welt ein Organigramm und das Organigramm sei von Gott. Noch seltsamer, was alles auftaucht in diesem Geschäftsverteilungsplan und was nicht. Kultur jedenfalls ist Bonhoeffer da irgendwie ins In Between geraten, er hat sie  –  als sei die 4-Raum-Wohnung voll und alle müssten nun zusammenrücken  –  der “Kirche” zugeschlagen. Hier erst – nicht bei der Arbeit, nicht in der Ehe und erfreulicherweise nicht beim Staat, aber eben auch nicht in allem, was Bonhoeffer nicht erwähnt, Gesellschaft etwa taucht nicht auf, Öffentlichkeit ist ihm entschwunden – erst bei Kirche tue sich eine Tür auf zu diesem sehr besonderen Raum, dem “Spielraum der Freiheit” …

Kann ich nichts mit anfangen mit dieser Freiheit am Ende des Flurs.