Platz des europäischen Versprechens

Ein öffentlicher Platz wird eröffnet

Platz des europäischen Versprechens von Jochen Gerz | Foto Patrick Skrypczak

Im Zentrum der europäischen Stadt lag immer der Raum, den alle bewohnen, der öffentliche Raum. Sein Kennzeichen: ein Turm, sein Bauprinzip: ein Teil überdacht, der andere nicht. Kirche und Kirchplatz. Später dann: Rathaus und Rathausplatz, dann Theater und Theaterplatz usw.

Was jetzt im Zentrum von Bochum entsteht, ist neu: ein öffentlicher Raum unter den Bedingungen von Pluralität.

Der PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPRECHENS ist ein Platz mit Kirche, aber kein Kirchplatz. Ein Platz neben dem Rathaus, kein Rathausplatz. Dieser Platz trägt nicht einen Namen, sondern 14 726. Er steht für keine lokale Tradition, keine regionale und keine nationale, sondern für viele einzelne. Er lässt sich für kein Bekenntnis reklamieren außer für das zur Vielstimmigkeit.

Und auch dieses Bekenntnis ist keines, das vorgebetet würde. Der Platz deklamiert nicht, er ruft niemanden an. Er ist selber als öffentlicher Prozess entstanden, er konnte nur so entstehen, auf der Straße:

Angesprochen und eingeladen haben Jochen Gerz und wir nicht nach Parteienproporz oder nach Verdienst, nicht nach religiösen oder philosophischen Auffassungen, nicht nach Höhe des Einkommens oder der sozialen Meriten, nicht nach Aufenthaltsdauer oder Aufenthaltstitel usw. Der Platz ist keinem Milieu verpflichtet, keiner Szene, keiner Schicht.

Entstanden ist er an Orten des Kommerz‘ und der Freizeit, der Kultur und des Sports, in der Uni und der JVA  –  dieser öffentliche Raum ist selber im öffentlichen Raum entstanden. Und zwar an Orten, an denen man es nicht unbedingt gewohnt ist, überhaupt einmal gefragt zu werden.

Sieben Jahre hat der Prozess der öffentlichen Einladung gedauert, er begann bei Null. Null Namen. Nicht einmal der Parkplatz hatte einen. Und dann, Name für Name, wuchs diesem Nicht-Ort Bedeutung zu. Mein Platz, benim yerim, ein poetischer Prozess, gefüllt mit Momenten großer Schönheit. Augen, in denen ein Leuchten aufging, wenn wir andere einluden, sich selber ein Versprechen zu geben, man konnte Europa in den Augen der anderen sehen.

Jetzt stehen die Namen von 14 726 Minderheiten auf dem Platz.


Am Freitag, 11. Dezember, 17 Uhr wird der PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPRECHENS der Öffentlichkeit übergeben.

Festakt mit

Jochen Gerz, Künstler,

Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident

S.E. Jerzy Marganski, Botschafter der Republik Polen

Thomas Eiskirch, Oberbürgermeister

Gerald Hagmann, Superintendent

Schüler/innen der Musikschule Bochum und der Europaschule Hildegardis u.v.a.m. Eingeladen sind Sie, die Öffentlichkeit.

Mehr Infos hier.

(c) Der PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPRECHENS von JOCHEN GERZ ist im Auftrag der Stadt Bochum und der Christuskirche Bochum mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen von 2007 bis 2015 in Bochum entstanden.