Spieleröffnung

Nik Bärtsch's Mobile

The Blue Marble by NASA. Photo taken by either Harrison Schmitt or Ron Evans, Apollo 17 crew 1972

Sich vorzustellen, dass alles, was wir tun, vorherbestimmt sei  –  die meisten denken, dies sei, wenn andere so denken, das Ende ihrer Freiheit, ich denke, jetzt geht das Spiel erst los: Könnte schließlich sein, dass der andere recht hat, weil er Recht bekommen könnte am Ende aller Tage, was weiß denn ich. Nik Bärtsch’s Musik funktioniert so, sie eröffnet das Spiel.

Und heißt ja nicht zufällig Mobile, seine Band: Das Mobile, das einer an der Decke schraubt wie einen Stern an den gestirnten Himmel, ist der Kosmos en miniature: Jedes seiner Teile  –  Module, würde Bärtsch sagen  –  folgt eigenen Gesetzen, legt ein eigenes Tempo vor, zieht eigene Kreise. Und dann  –  man ist dem einen oder einem anderen oder einem dritten Rhythmus gefolgt, einem vierten, Bärtsch bietet einige an  –  am Ende findet man sich und seinen Takt in einem Ganzen wieder. Prästabilierte Harmonie.

Ist ein bisschen wie Gott spielen, diese Musik, aber eben spielen. So tun, als kennte man das Ende, tun als ob. Kunst kann das, Religion kann es, beide können es mal gut mal schlecht, Politik kann das nicht. Politisch gedacht ist Prädestination ein anderes Wort für Terror, aus „So Gott will“ wird „Gott will es so“.

Was natürlich auch ohne Gott geht, dann ist es ein „biologisches Gesetz“, das so will und nicht anders, oder eine „historische Notwendigkeit“ oder eine „kosmische Ordnung“, alle verlangen sie irgendwas, meistens Opfer. Theologisch gedacht, verlangt Prädestination dagegen nichts außer einzusehen, dass keiner die Wahrheit gepachtet hat, sie gehört allen. Das klassische Lessing-Zitat:

“Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: Vater gib! die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!”

Oder wie Sibylle Berg meinte:

“Wenn man davon ausgeht, dass wir alle nicht die Hellsten sind, muss man einander ernst nehmen.”