10 x 10 x 3,8 Meter

urban urtyp

10 x 10 x 3,8 m Kubus | Foto Michael Schwettmann (c)

Ein Kubus in der Kirche: 10 x 10 x 3,8 Meter. 380 Kubikmeter Musik einmal im Monat sonntags: immer 19 Uhr, immer 10 Euro, immer anders. Das ist das Format, es wurde für verrückt erklärt, es geht in seine 7. Spielzeit. Und das ist einerseits großartig. Dass so etwas möglich ist, dass es hier möglich ist. Es ist gleichzeitig deprimierend, es zeigt, wie wenig Spielorte es hier im Ruhrgebiet gibt  –  der größten Ansiedlung im ganzen Land usw., mehr Einwohner als Berlin und Hamburg zusammen  –  wie wenig Spielorte es in dieser Stadtart gibt für Bands, die noch nicht so weit sind, dass sie teure städtische Hallen füllen. Die 7. Spielzeit von urban urtyp beginnt mit

SOUND OF THE CITIES

einer Lesung von PHILIPP KROHN und OLE LÖDING: Die beiden Journalisten, beide Mitte der 70er geboren, wollten heraus finden, warum eine Stadt so und eine andere anders klingt. Für ihr Buch haben sie 24 Städte in 8 Ländern bereist   –   Memphis, Liverpool, Seattle, Düsseldorf, London usw.  –  und haben mit Leuten gesprochen, die an dieser oder jener Stelle im Popuniversum gewerkelt haben.

Bei urban urtyp aber werden nun umgekehrt sie befragt  –  von HANS NIESWANDT, dem DJ, Musikproduzenten und künstlerischen Leiter des Folkwang-Instituts für Populäre Musik in Bochum.

Und so ist es plötzlich ein Thema nicht nur für Detroit oder Hamburg, sondern Bochum: Denn dass eine bestimmte Stadt mit einem bestimmten Sound identifiziert wird, das, so Krohn und Löding, liegt eben nicht an ikonischen Songs oder an ein paar Genies   –  es liegt daran, ob es ein soziales Umfeld gibt, in dem sich ein Sound entwickeln kann. Wo und wie er gespielt wird, wo und wie gehört und wo und wie beredet. Popkultur entsteht in keinem Keller, kein Held frickelt entsagungsreich herum, bis er ein Meisterwerk zu Tage fördert wie Kohle aus der Erde. Pop entsteht in einem sozialen Netz, das Musiker, Produzenten, Techniker, Veranstalter und Musikkritiker bilden, dazu Kneipen, Clubs und Szenen. Geschmacksurteile werden nunmal nicht nach Gesetzeslage gefällt, sondern am Tresen gehandelt, im Live-Konzert, im Plattenladen. Und das heißt: Es braucht Orte, Räume, Knotenpunkte des Hörens, an denen Empfindungen ausgetauscht werden. Musik entsteht, wo sie entsteht, in den Freiräumen der Stadt.

Und wie klingt Bochum? Mal sehen, ob sich der Frage auch einer der vielen Kulturpolitiker nähert, die das Ruhrgebiet ernährt. Wir eröffnen unseren Antwortreigen jedenfalls am Sonntag, 18. September wie immer mit einem Vorspiel zur Saison  –  Vorspiel heißt: Eintritt frei  –  und mit einer Überraschung. Immer anders.

Wie immer aber an den Tables: DJ Oli


sonntag | 18. september | urban urtyp vorspiel
>> sound of the cities
>> eintritt frei! (weil vorspiel)

sonntag | 25. september | urban urtyp #47
>> coma // numinos
>> new techno sound of cologne. Oldschool plus new rave plus 80er pop und etwas italo-disco in live-besetzung

sonntag | 30. oktober | urban urtyp #48
>> tired eyes kingdom // mnd trck
>> sounds of bochum.. till kingdom come …

sonntag | 13. november | urban urtyp #49
>> grand pianoramax
>> kunstmusik plus urban music? hochkultur plus straße? keys, vocals, drums.

sonntag | 4. noveber | urban urtyp #50
>> girls in airports
>> jazz ohne jazz. wie portico quartet auf dänisch.

sonntag | 15. januar | urban urtyp #51
>> emika
>> dub und dritte dimension, triphop und tiefe, reste von pop in klassik gelegt.

sonntag | 5. februar | urban urtyp #52
>> sonic artlab | mit falk grieffenhagen
>> elektronische und akustische verschränkungen. kraftwerk-umfeld, nur ungewöhnlicher

sonntag | 19. märz | urban urtyp #53
>> karsten riedel
>> ein typ, ein klavier. und lieder.


urban urtyp gibt es, weil es Leute gibt, die ästhetisches Vermögen und Muskelkraft, Phantasie und Hirn investieren und die dies alles aus einem Grund nur tun, weil es Spaß macht. Derzeit sind es:

Andreas | Andreas | Bine | Chris | Dirk | Katrin | Kristina | Marc | Martin | Michael | Natascha | Olaf | Oli | Roswitha | Thomas