s/w in s/w out

Fotos und ihre Übersetzungen

Nik Bärtsch in der Christuskirche by Heinrich-Brinkmoeller-Becker

Schwarz-Weiß-Denken ist in, Schwarz-Weiß-Fotos sind out, das passt. Weil s/w-Fotos gar nicht erst so tun, als zeigten sie, “wie es ist”, sie zeigen, dass schwarz nicht schwarz sein muss und weiß nicht weiß. Sie zu lesen heißt, sie zu übersetzen,

„jede Übersetzung scheitert bis zu einem gewissen Grad, das genau ist das Interessante an ihr.“

Der Satz stammt von Georges-Arthur Goldschmidt, dem legendären Übersetzer zwischen deutscher und französischer Kultur. Lettre International hatte im Frühjahr ein großartiges Interview mit ihm gebracht, darin sagt Goldschmidt:

„Käme eine Übersetzung perfekt, geradlinig und ohne Veränderung durch, wäre die Welt einsprachig, und man käme aus der Sprache nicht mehr heraus. Wir wären keine Menschen mehr. Das wäre das Ende der Welt. Die Übersetzung ist dazu da, nicht richtig zu funktionieren.“

Damit es weitergehen kann mit uns in der Welt. Es ist wie in der Geschichte vom Turmbau zu Babel: Die Menschen, die den einen Turm bis zum Himmel bauen wollten, sprechen am Ende so viele Sprachen, dass sie sich auf keine gemeinsame Statik mehr verständigen können – was eben keine Strafe ist, Vielsprachigkeit ist ein Versprechen:

Dass es nicht einen Turm, nicht zwei, sondern viele Türme geben soll, jeder anders. Und zwischen ihnen der Raum, der übersetzt, der Bedeutung freisetzt.