Aus dem Fenster sehen

"Messias" von Händel

(c) Sabitha Saul

Als das Gerücht aufkam, der Messias sei gekommen, trat der Rabbi ans Fenster und sah hinaus:

„Da ist keine Erneuerung.“ 

Ob etwas messianisch ist oder nicht, die Frage geht offenbar nicht an die Theologie und der Blick des Rabbi in kein Buch, sondern aus dem Fenster (kein Windows):

Hat sich etwas geändert, ist Hohes niedrig geworden? Wenn nicht, kein Messias.

Das messianische Zeitalter jedenfalls müsste, wenn es beginnt, auf der Straße beginnen, im öffentlichen Raum, dort werden Fakten geschaffen. Insofern liest sich Martin Bubers Erzählung vom Rabbi Menachem wie ein Kommentar zu dem Gerücht, das postfaktische Zeitalter sei angebrochen.

Während sich Händels Messias wie ein Kommentar hören lässt zu der Idee, dass Fakten sich auch anders vorstellen lassen, dass Hohes auch niedrig sein könnte, jeder Thron ein Stuhl, jeder Stuhl ein Thron.


STADTKANTOREI | HÄNDEL: DER MESSIAS
Oratorium in 3 Teilen von Georg Friedrich Händel

Stadtkantorei Bochum
Mitglieder der Bochumer Symphoniker