Sehnsucht nach Härte?

Henry Rollins’ Travel Light Show

Henry-Rollins-Graffiti in Asbury Park, New Jersey by Shephard Fairey | Foto Dan Century cc)

Es gibt Musik, dafür geschaffen, „um Gewalterfahrungen gleichzeitig zu erdulden und auszuleben als Opfer und Täter in einer Person”.

Schreibt Kai Müller im Tagesspiegel über die “Sehnsucht nach Härte” in der Musik. Ein lesenswerter Streifzug, er führt von Achilles über “Achilles Last Stand” auch an Henry Rollins vorbei, “einem Kraftpaket mit großen Ängsten”. Dann dieser Satz:

“Die Nachkriegsgeneration muss einsehen, dass Liebe eine schlechte Überlebensstrategie ist und sie sich innerlich stählen muss, um ihre Freiheit zu erhalten.”

Stimmt das? Oder stimmt nicht eher das Gegenteil? Dass man, um “Härte” überhaupt zu erfahren, sie inszenieren muss? Sie simulieren muss? Dass die Härte, von Musik demonstriert, eher augenzwinkernd demonstriert wird, weil eh alle wissen, dass, je härter die Schale, desto weicher usw.?

Henry Rollins hat seine Erfahrungen nicht – nicht nur – an dem gemacht, was er dem eigenen Körper aus freiem Willen antut, sondern was anderen andernorts angetan wird. Er beobachtet, er berichtet, er lässt sich berühren. Wenn er bei uns ist, wird er von seinen Reisen erzählen:

Von Weltreisen durch Kopf und Kontinente, durch Krisen und Katastrophen, durch Comedy und Anklagen. Er wird provozieren, das dürfte zu erwarten sein, aber Rollins er provoziert nur deshalb, weil er optimistisch ist. Weil er daran glaubt, dass sich Unrecht abstellen lässt.

Hörte einer wie er einmal auf zu provozieren, lohnte keine Mühe mehr.