Endlich Indie

Ella Endlich ist "endlich Ella"

Ausdifferenzierung unterm Mikroskop | (cc) Alcibiades

„Wenn du Sängerin bist, auf Deutsch singst und dazu noch blond, versucht eine Plattenfirma automatisch, dich in die Helene-Fischer-Erfolgs-Schublade zu stecken. Aber das hat mich nicht glücklich gemacht.“

Cooler Satz von Ella Endlich, die “endlich Ella” ist und kein Helene-Klon. Ein derart “cooles Wissen” hat auch die SPEX immer für sich reklamiert, für das legendäre Pop-Magazin waren die Unterschiede entscheidend, die Differenz in der Wiederholung: Die Kulturindustrie wurde weiterhin kritisch beäugt, in der SPEX rückten aber auch die Konsumenten in den Blick, und da zeigte sich schnell, dass die Beziehung zwischen Sender und Empfänger alles andere als eine Einbahnstraße ist:

“Die Kommunikation verlief nicht mehr bloß von einer ewig gleich sprudelnden Quelle namens Industrie zu einem stillgestellten Auffangbecken namens Konsument, sondern die Endverbraucher wurden per Handstreich zu genialen Dilettanten erklärt …”

So erklärt das Harun Maye im aktuellen MERKUR (Text ist hier frei zugänglich). Gegen den neuen Pop-Dilettanten, der gleichsam aus dem Publikum heraus entstand, habe der alte Rock-Profi keine Chance mehr gehabt, der Liedermacher alter Schule mit seiner handgeschremmelten Musik

„war plötzlich unattraktiv geworden, weil er ganz einfach zu wenige Möglichkeiten zur Ausdifferenzierung bot”.

Das ist lange her, ja. Und längst ist auch dieses Spiel des steten Ausdifferenzierens zwar nicht ausgespielt, aber kulturindustriell eingeholt: kein Tag ohne Nirvana auf WDR2, kein Indie ohne Industrie, kein böser Punk ohne biedere Pose usw., auch diese Kritik ist bereits etwas abgestanden.

Interessant aber, dass es so aussieht, als würde diese Entwicklung – weg von einer Industrie, die zuteilt wie früher das Amt – jetzt in dem wirklich populären Bereich, dem der Schlagermusik, nachgeholt.

Ella Endlich jedenfalls hat sich von Universal  –  bei dem Label wären sie beleidigt, rechnete man es nicht der Kulturindustrie zu  –  getrennt, sie hat ihren eigenen Verlag aufgemacht und erklärt, sie wolle keine Helene mehr sein, sie schreibe und texte ihre Lieder lieber selber.

Ein böser Satz? Er ist Indie, independent.