Kreuz

Zum Karfreitag

(c) Theo Oberheitmann

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ZUM FOTO VON THEO OBERHEITMANN

Mit Religion habe er nicht viel zu tun, sagt er über sich. Hat aber – wie der römische Hauptmann im Markus-Evangelium – den Blick fürs Kreuz:

„Überall auf den Friedhöfen der Bretagne und Normandie entdecke ich Kruzifixe in den unterschiedlichsten Stadien des Zerfalls, liebevoll auf dem Grab platziert und dekoriert.“

Die Bilder, die er davon gemacht hat, setzen die Ikonographie der Leiden Jesu fort. Traurig und schön, anstößig wie Blasphemie. Wie das Kreuz, das skandalon:

“Ein fehlender Kopf wird durch Blumen ersetzt. Wenn die Schrauben für die Befestigung durchgerostet sind, wird der Corpus mit Draht befestigt. Mich interessiert das Einswerden mit dem Untergrund, der stetige Verfall durch Korrosion, das Überwuchern mit Pflanzen bis zur fast totalen Auflösung von Kreuz und Corpus.”

Und dann, hier und da, ein paar frische Blumen. Als stemme die Trauer sich gegen den Verfall, gegen das Verschwinden. Wenn irgendwas auf dieser Welt der Behauptung widerspricht, wir seien ins post-faktische Zeitalter eingetreten, dann die Trauer um einen geliebten Menschen. Sie widerspricht dem Tod, dem puren Faktum, weil sie nicht aufhören kann zu lieben. Liebend setzt sie sich mit Tränen nieder.

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An dem Tag, an dem wir dies gepostet hatten, am 15. März 2020, ist Theo Oberheitmann gestorben. Er war Ehemann und Vater, Großvater und Fotograf, ein Tischler, wie Jesus Tischler war.