„Gott machte das Dach“

Sprache ohne Musik ist? Ein Irrtum

„Das Zelt, die Höhle, das Gewölbe“. So beginnt Peter Sloterdijks jüngstes Werk, es heißt Den Himmel zum Sprechen bringen: „Im Zelt tönen die Stimmen des Alltags, die Höhlenwände werfen alte Zaubergesänge zurück, im Gewölbe hallen die Kantilenen zu Ehren des Herrn in der Höhe wider.“ Klingt schön. Nicht sehr logisch, aber theologisch, Sloterdijk würde sagen: theopoetisch.

Zum Vergleich die neue Basisbibel, sie heißt wirklich so wie feste im Jargon vertäut. Ist aber nicht die Basis der Bibel, sondern ihre neue Übersetzung, auch sie beginnt  –  „am Anfang schuf Gott“  –  mit dem Himmel und der Erde, und dann das:

„Gott machte das Dach.“

Und?

„Gott nannte das Dach ‚Himmel‘.“

Bei Luther hieß, was Gott schuf, noch „Feste“, bei Sloterdijk „Gewölbe“, in der Basisbibel ist es einsilbig wie „flach“ oder auch „spitz“ oder was ein Dach alles ist, aber nicht, was der Himmel sei, „gebogen“ oder „geschwungen“, „gerundet“ oder „gewölbt“. Das silbenkarge „Dach“ klingt wackelig wie Dachpfanne und nicht wie Feste. Was geht da flöten an Vorstellungskraft, die da scheide zwischen den Wassern?

Und was alles kommt an Vorstellungskraft hinzu, wie wohl nur Eigenheimbesitzer sie entfalten? Und was, letzte Frage, soll uns ein Himmel, wird er als Eigenheim vorgestellt?

Sprache ist Musik. Ohne Musik  –  um Nietzsche zu variieren, der kein Hausbesitzer war  –  ohne Musik wäre die Sprache ein Irrtum. Lässt Gott sich dachdeckend denken?

Gab Zeiten, da rissen die Himmel auf.