„Es tut gut, Eure Namen zu lesen“

Jochen Gerz, Thomas Eiskirch, Gerald Hagmann: Gruß zum Europa-Tag

Europatag 2008 auf dem Platz des europäischen Versprechens | Foto Sabitha Saul

Liebe Europäerinnen, liebe Europäer,

die Ihr Eure Namen dem Platz gegeben habt, auf dem wir heute stehen, dem Platz des europäischen Versprechens.

Vor Jahren waren wir genau hier, als es diesen Platz noch nicht gab, und haben ein Foto von uns gemacht. Wir waren viele und haben gewunken, es war ein gutgelaunter Gruß, ein fröhliches „Danke“-Sagen.

Jetzt stehen wir hier in Gedanken zusammen, mehr ist nicht möglich derzeit. Europa hat es nicht leicht. Corona erschwert, was uns ausmacht in Europa: dass wir zusammen kommen und unser Gesicht zeigen. Dass wir Freude teilen, Leid teilen, Verantwortung teilen.

Können wir einen Europatag feiern in diesem Jahr?

Die vergangenen Monate waren ernüchternd. Fast ist es so, als seien wir aufgewacht aus einem Traum, in dem es Freizügigkeit gab und offene Grenzen, Solidarität und gleiches Recht für alle. Manches ist falsch gelaufen. Manches ist auch gut gelaufen. Er stimmt nicht, der Eindruck, wir hätten uns entsolidarisiert.

Denn wäre es besser gelaufen ohne Europa? Hätten wir ohne Europa jemals einen Impfstoff in Europa gewinnen können? In Mainz, wo der europäische Impfstoff entwickelt wurde, waren Menschen aus mehr als 60 Nationen beteiligt. Europa ist kein Traum.

Wir sind längst Europäerinnen und Europäer. Das ist die Wirklichkeit, die uns der Platz des europäischen Versprechens vor Augen malt: Er ist nicht gestreamt und nicht gezoomt, er ist aus Stein gebaut. Dem Stein sind Eure und unsere Namen eingeschrieben. Es tut gut, Eure Namen zu lesen. Sich an die Gegenwart zu erinnern, in der es uns in Europa gibt.

Glückauf, Europa.

Wir grüßen Euch herzlich

Thomas Eiskirch | Stadt Bochum
Jochen Gerz | Künstler
Gerald Hagmann | Christuskirche Bochum