Israel und „Weltoffenheit“: Ein Vorschlag

Demokratie verteidigen statt mit dem Terror liebäugeln

Tel Aviv Pride Parade 2019 by Ted Eytan from Washington, DC, USA CC 2.0 in Format 3:2

Oma hat Juden versteckt, Opa war kein Nazi, die Enkel setzen sich die Kippa auf und demonstrieren gegen Judenhass. Andere heften sich den Gelben Stern an und demonstrieren gegen irgendwas, wieder andere protegieren BDS und erklären, die Boykottbewegung sei frei von Gewalt, alle sind sie solidarisch. Jetzt, wo Hamas  –  die Terror-Firma sitzt im BDS-Lenkungsausschuss, BDS-Trommler wie Judith Butler halten sie für eine Emanzipationsinitiative  –   jetzt, wo diese Hamas Tausende Raketen auf Kindergärten jagt, in denen jüdische Kinder spielen, könnten sie tatsächlich einmal solidarisch sein, es herrscht Schweigen. Ein Vorschlag. 

Vor ein paar Jahren brachen einige Leute zu Forschungsreisen auf, sie setzten sich eine Kippa auf den Kopf und spazierten durch Berlin oder durch Berlin oder durch Berlin oder mal durch Frankfurt hinein ins Herz einer zivilen Gesellschaft, alle kamen heil zurück. Jetzt das Ganze mit einer Israelfahne.

Sie wird dieser Tage vor Synagogen verbrannt, ein passabler Anlass, seine Solidarität zu hissen und die Israelfahne auf dem heimischen Balkon. Oder seine Soli ins Fenster hängen, das zur Straße rausgeht, ans Revers knipsen oder ans Auto pappen oder den Chariot D’light-Kinderanhänger und warum nicht als virtuellen Hintergrund für all die Zoom-Seminare der kommenden Woche …

Und dann hinein in die Herzen der freien Welt, mal wieder Straßenbahn fahren, U-Bahn fahren, spazierengehen. Mal durch dieses Viertel oder jenes und wer mag, zähle mit: Wie viele Lächeln lassen sich empfangen und wie viele nicht mehr?

Wie viele Hände schlagen einem auf die Schulter und wie viele zu? Wie viele Soli-Adressen sammeln sich und wie viele Drohungen, welche Freundschaften blühen auf und wie viele gehen ein usw., es ist eine einfache Strichliste.

Pro-Israel-Demo in Berlin 2009 by Dana Bondarenko and Sergey Gavrilov CC 3.0

Aber eine interessante, die Forschungen zum „israelbezogenen Antisemitismus“ stecken noch in den Kinderschuhen, bei demoskopischen Umfragen schwanken die Ergebnisse zwischen 20 und 43 %. Die knapp 43 % Zustimmung bekam laut Friedrich-Ebert-Stiftung die Aussage

„Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat.“

Ist drei Jahre her, da hat sich noch was getan. Neue Zahlen gab es Ende 2020 von Patrick Bahners, NRW-Kultur-Korrespondent der FAZ, er twitterte:

„Im Übrigen ist der ‚israelbezogene Antisemitismus‘ (als angeblich häufigste Form des Antisemitismus) erfunden worden, um Kritik am Zionismus zu skandalisieren.“

Ähnlich Aleida  Assmann, sie hat herausgefunden, wer es gewesen ist, die das erfunden habe: die Bundesregierung, sie habe an der Antisemitismus-Definition geschraubt, Assmann:

„Das Ergebnis war, dass die israelische Regierung vor Kritik geschützt und dabei gleichzeitig von den in diesem Land immer radikaler werdenden rechtsradikalen und rassistischen Umtrieben abgelenkt wurde, die mit ihrer Fremdenfeindlichkeit die diverse und weltoffene Gesellschaft bedrohen.“

Die “weltoffene Gesellschaft” wäre mithin die, in der  –  die 43 % weggerechnet  –  sich kein Grund erkennen ließe, warum man nicht mit einer Israelflagge über den Hermannplatz performen sollte. Einfach mal auspendeln, mit wem man solidarisch ist und wer mit einem nicht. Auch „vielschichtige Solidaritäten“ zulassen, um die Initiative GG 5.3 Weltoffenheit” zu zitieren, die sich dabei nicht beirren lassen möchte durch „missbräuchliche Verwendungen des Antisemitismusvorwurfs“.

Wäre jetzt Gelegenheit dazu, die „Initiative Weltoffenheit“ vertritt diverse Theater, namhafte und nordrhein-westfälische, sie haben sich  –  zeitgleich mit Assmanns und Bahners Einsichten in die Stimmungslage  –  selber nach vorne gespielt und, so weit bekannt, bisher nicht aufgelöst. Ihr “Plädoyer” dafür, mit BDS über “Anerkennung von Differenz” zu disputieren und über die “alternativen Weltentwürfe” von BDS-Hamas, findet sich weiterhin auf den Websites von Berliner Festspiele und HAU Hebbel und Kampnagel Hamburg und  –  ausgerechnet  –  des Düsseldorfer Schauspielhauses und des örtlichen PACT Zollvereins und ebenso des Humboldt-Forums uam, ich hab nicht alle durchgeklickt.

Und jetzt, wo die BDS-Hamas in einer Größenordnung mordet, die etwa 2000 Amri ausmacht, schweigen sich die Weltoffenen durch den Raketenhagel. BDS? Eine gewaltfreie Bewegung. Oma? Hat Juden versteckt. 

Heute vor 73 Jahren wurde die erste Demokratie in diesem Teil der Welt gegründet, anstatt dass sie verteidigt würde, dauert die Liaison mit dem Terror an.