„Von dort aus soll alles dirigiert werden“

Was Antisemitismus heute ist

Frei von was? Pro-Hamas-Demo in Melbourne Mai 2021 by Matt Hrkac CC 2.0

„Ungeeignet, unklar, diffus“: Lars Rensmann über die „Jerusalemer Erklärung“. Mit ihr hatten 200 internationale Wissenschaftler kürzlich Antisemitismus „neu definiert“ mit dem Ergebnis, dass BDS, die anti-israelische Hetzkampagne, aus sich heraus  –  „per se“  –  nicht antisemitisch sei. Die 200, so Rensmann – in der Antisemitismus-Forschung ist er eine Adressehätten sich „keinen Gefallen getan“ getan damit, ihre „erstaunliche Unkenntnis“ zu beweisen. Was sie zuwege gebracht hätten, sei „schlichtweg falsch und analytisch unbrauchbar“. Die Amadeu Antonio-Stiftung hat Rensmanns Expertise jetzt auf Belltower News gestellt, es lädt dazu ein, die „Jerusalemer Erklärung“ noch einmal zu lesen. Um zu verstehen, wie das geht, dass Antisemitismus aus der Welt hinaus gewissenschaftet wird.

(1)  Antisemitismus neu definiert

Der „Jerusalemer Erklärung“ zufolge gelte als antisemitisch, wenn  –  dies der Kern ihrer Definition[1]  –  „Juden als Juden / Jews as Jews“ attackiert werden oder eben „Jewish institutions as Jewish“.

In der Formel Jews as Jews geht es darum, wie sich Juden selber verstehen  –  das erste Jews  –  und dann darum, wie sie von denen verstanden werden, die sie attackieren, das zweite Jews. Die beiden Vorstellungen dürften kaum deckungsgleich sein, im ersten Fall geht es ums Selbst-, im zweiten ums Fremdbild, im ersten um Identität, im zweiten um Antisemitismus.

Für wen ihre Definition denn nun gelte, das fragen sich auch die 200 Experten und antworten:

„Die Definition gilt unabhängig davon, ob jüdische Identität ethnisch, biologisch, religiös, kulturell usw. verstanden wird.“

Die Antwort beschreibt offensichtlich das Selbstverständnis jüdischer Menschen, das allerdings sehr verschieden sein kann  –  aber erklärt sie auch das zweite Jews, das Fremdbild, das sich Antisemiten von selbstbestimmten Juden machen?

Wenn nicht, gähnte eine Leerstelle in Jews as Jews. Wenn doch, würde es bedeuten, dass Antisemitismus „unabhängig“ sein sollte davon, wie Antisemiten Juden verstehen. Dass es egal wäre, ob Antisemiten ihr Bild, das sie sich von Juden machen, „ethnisch” pinseln oder “biologisch” oder “religiös” oder “usw.“

Dann wäre Antisemitismus unabhängig von Antisemitismus. Wieder völlige Leere.

Und so hätte man denn nun auf beiden Seiten der Gleichung ein Jüdischsein, das „unabhängig“ sein soll von einer konkreten Bestimmung. Das Selbstbild wäre dies und das oder auch nicht „usw.“, und auch Antisemitismus wäre dies und das oder auch nicht „usw.“. Begrifflich ist die Bewegung von irgendwas zu irgendwas eine von nichts zu nichts. Jews as Jews ist Tautologie pur, völlige Leere.

Die Folge: Alle Attacken, an denen kein Post-It klebt, auf dem steht, man habe auf Juden als Juden gezielt, fallen aus der Definition raus.[2] Alle kodierten Formen von Antisemitismus  –  es sind fast alle  –  sind vor die Klammer gezogen:

Werden Juden nicht als Juden, sondern als Adrenochrome attackiert oder als Israelis, als Virus oder als Zionisten oder schießt wer auf eine Synagoge und brüllt dazu „Gaza“ oder werden durchdachte Attentate verübt wie das auf die israelische Olympia-Mannschaft 1972 in München  –  das alles wäre nicht “per se“  –  aus sich selber heraus, engl. in and of itself   –   antisemitisch.

Anders gesagt: Die „Jerusalemer Erklärung“ behauptet, Antisemitismus entstehe nicht aus Antisemitismus, sowas würde von außen an ihn herangetragen. Im Grunde definieren die 200 Experten Antisemitismus als „Antisemitismus-Vorwurf, der einen ja auch immer von außen ereilt. Fast schon witzig, Rensmann liest in dieser Definition

„eine ins Groteske übersteigerte Engführung, welche eine Anwendung so weit erschwert, dass am Ende gar nichts mehr als antisemitisch erscheint“.

Entscheidend anders die Definition von Antisemitismus, die von der IHRA, der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) erarbeitet wurde, sie wird weltweit geteilt: In ihr geht es nicht um „Juden als Juden“, sondern um ihre „Wahrnehmung als …“.

(2) Was Antisemitismus ist

Antisemitismus ist mörderisch: Bus-Bombing in Israel August 2011 | Ariel Hermoni, IDF

Mit ihrer sinnfreien Definition verkennt die „Jerusalemer Erklärung“, was Antisemitismus ausmacht, er ist eine welterklärende, phantasmagorische und personifizierende Verschwörungserzählung sui generis“, so Rensmann.

Als “eigene Art”  –  das sei hier ergänzt  –  zeichnet sich Antisemitismus dadurch aus, dass er wesentlich ambivalent ist. Eben weil er alles zu erklären sucht:

In der Figur des Juden, die im Antisemitismus gebastelt wird, kommen Oben und Unten überein, links und rechts, Gott und Gottesmord, Allmacht und Ohnmacht, Reichtum und Armut, Wallstreet und Kreml, Identität und Heimatlosigkeit  –  und seit es den Staat Israel gibt kommen hinzu Orthodoxie und Tel Aviv, wehrloser Geist und militärische Gewalt, Siedlungspolitik und Kosmopolitismus, Herrschaft über die Welt und ein Sandstreifen am Meer … wäre Antisemitismus ein Denksport, hieße die Aufgabe, so viele Widersprüche wie möglich zu vereinen, die Aufzählung kommt an kein Ende.

Daher der totalitäre Charakter des Antisemitismus: Die alles erklärende Verschwörungstheorie ist mit einer alles vernichtenden Lösungsstrategie verwandt, ein totales Problem will eine totalitäre Lösung, keine Politik. In der „Jerusalemer Erklärung“ aber wird dieser quasi-religiöse Anspruch, den Antisemitismus als Welterklärung stellt, als Spleen abgetan, als eine von „vielen antijüdischen Fantasien“:

Zwar erwähnt der Text ein paar Phänomene  –  Antisemiten glaubten, Juden würden die Welt „mit einer ‚verborgenen Hand‘“ lenken, seien aber an ihren „großen Nasen“ zu erkennen – , interessiert sich dann aber nicht für die massiven Widersprüche, die jeder Antisemit synthetisiert. Alles Marotten, kein Zusammenhang.

Außer dem einen, dass es alles mit „Mächten des Bösen“ zu tun habe. So erklären es sich die 200 Experten  –  eine Interpretation, die selber einen schwer religiösen Anspruch erhebt: Die „Mächte des Bösen“ sind von den 200 nicht einmal in Anführungszeichen gesetzt.

Dies alles  –  dass Antisemitismus Widersprüche anhäuft, dass er einen quasi-religiösen Erklärungsanspruch reklamiert, dass er ein totalitäres Lösungsdenken einfordert und eine ungeheure Synthese-Leistung verlangt, während jeder Tag beweist, dass man selber nichts davon hat, einen Kaugummi-Automaten zu sprengen wäre ergiebiger als eine Synagoge zu beschießen, eine Runde mit dem Tretboot auf dem Stadtteich besser für den Teint als wochenlang im Frauendeck unter Islamisten zu versauern  –  alles, was den Alltag von Antisemiten ausmacht, die sich die Welt erklären, wird wegerklärt.[3]

(3) Rassismus als business as usual

Typisch für Antisemitismus: Dämonisierung von Israel. Pro-Hamas-Demo in Melbourne Mai 2021 by Matt Hrkac CC 2.0

Reste bleiben immer, wie Rest-Antisemitismus entsorgen? Die 200 Experten lassen ihn im Rassismus verschwinden. Knall auf Fall führen sie Rassismus als „das Allgemeine“ ein. Auf ihre Definition, was Antisemitismus alles nicht sei, folgt übergangslos: „Leitlinien A. Allgemein 1. Es ist rassistisch, zu essentialisieren …“  

Und Gott sprach, der Satz in Gänze: „Es ist rassistisch, zu essentialisieren (eine Charaktereigenschaft als angeboren zu behandeln) oder pauschale negative Verallgemeinerungen über eine bestimmte Bevölkerung zu machen.“

Lassen wir diesen Satz stehen, plausibel ist er nicht, entscheidend hier die Folgerung:

„Was für Rassismus im Allgemeinen gilt, gilt im Besonderen auch für Antisemitismus.“

Damit gewinnt die „Jerusalemer Erklärung“ denn doch noch eine Definition, was Antisemitismus sei, nämlich eine

„pauschale negative Verallgemeinerung[4] über eine bestimmte Bevölkerung“,

vergleichbar jeder anderen wenig vorteilhaften Meinung, die einer über Finnen fällt und über Frauen, über Schwule oder Schweden, Senioren oder Senegalesen, über Bulgaren und Behinderte und Island und Islam, über LB und LGBT und Franzosen und Fromme, über Bayern und Bayernfans und … alles „Rassismus im Allgemeinen“. Offensichtlich ist das Kappes, eben deshalb gewinnt er hier eine Funktion:

Aus Jews as Jews wird business as usual. Antisemitismus? Ist sehr besonders darin, nichts Besonderes zu sein.

(4) Willkür from the river to the sea

Free Palestine? From Hamas! – Demo in Groningen Mai 2021 by Mark Vletter CC 2.0

Wie Antisemitismus orten, wenn man keinen Begriff von ihm hat? Die „Jerusalemer Erklärung“ karrt Maßstäbe herbei, die keine sind: „Emotionen“ und „Identitäten“ und „Intentionen“. Alles Dinge, so Rensmann, „die gänzlich ohne Kriterien operieren“.

Beispiel “Intentionen”: Aus der empirischen und rekonstruktiven Sozialforschung sei bekannt,

„wie schwer es ist, die subjektiven, vermeintlich ‚wahren Intentionen‘ von Menschen hinter Aussagen zu rekonstruieren oder gar zu klären. (…) Auch ist diese Frage kaum operationalisierbar — selbst im Forschungskontext nicht. Nicht die vermeintlich mögliche, hypothetisch wirkliche ‚Intention‘ hinter Äußerungen, sondern der objektive, d.h. intersubjektiv erzeugte und geteilte Sinngehalt von Aussagen lässt sich bestimmen. Und danach lässt sich auch beurteilen, ob eine Aussage als antisemitisch (oder rassistisch) zu bewerten und zu kritisieren ist oder nicht — unabhängig davon, was jemand ‘eigentlich‘ gemeint haben mag oder welche ‚Identität‘ ein/e Sprecher/in hat.“

Ruhrbarone-Beispiel: Auch Achille Mbembe wurde immer wieder mit dem Argument verteidigt, er verfolge freundlichste Absichten. Was stimmen dürfte, aber nichts daran ändert, dass er den jüdischen Gott zu einem „Rachegott“ erklärt, die „Rache“ zu einem jüdischen „Prinzip“, die „Vergeltung“ wiederum zum Prinzip israelischer Politik und Terror zur „Vision der Freiheit“. Es ist wie aus der Antisemiten-Fibel abgepinnt, bisher hat niemand Mbembe einen Antisemiten genannt. Er ist es auch nicht deshalb, weil er solche Sachen schrieb, er wird es, weil er sie nicht zurücknimmt. Es steht in der Welt, er lässt es stehen, der Sinngehalt wird geteilt.

Anderes Beispiel, Rensmann führt es an: die Forderung, Palästina „from the river to the sea“ zu befreien, vom Jordan bis zum Mittelmeer. Sinngehalt der Formel: Israel eliminieren, ihren Sitz im Leben hat die Formel in der

„aggressiven, gegen Juden im Nahen Osten gerichteten Rhetorik des militanten palästinensisch-nationalistischen und des radikal-islamistischen ‘Befreiungskampfes‘“.

Ein „Mordaufruf“, so Rensmann, von BDS trompetet, von Hamas befolgt. Die 200 „Expert:innen“ der „Jerusalemer Erklärung“ lesen darin allen Ernstes

„das Eintreten für diverse verfassungsrechtliche Lösungen für Juden und Palästinenser in dem Gebiet zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer. Es ist nicht per se antisemitisch, Regelungen zu unterstützen, die allen Bewohner:innen ‚zwischen dem Fluss und dem Meer‘ volle Gleichberechtigung zugestehen“.

Als würden 200 Nazi-Experten behaupten, dass Nazis, kaum dass sie „Israel ist unser Unglück grölen, recht eigentlich das Glücksversprechen einlösen wollten, das allen gegeben sei, pursuit of happiness. Wobei sich, so Rensmann,

„der innige Zusammenhang zwischen Israelhass, Vernichtungswünschen gegenüber dem jüdischen Staat und Antisemitismus immer wieder empirisch bestätigt“.

Auch BDS hat nie einen Zweifel daran gelassen, worum es der Hass-Kampagne geht: „Definitiv, ganz definitiv, sind wir gegen einen jüdischen Staat in irgendeinem Teil Palästinas“,

so etwa Omar Barghouti, er ist der Cheerleader dieser westlich dominierten Kampagne, es gibt Dutzende solcher Zitate. Die 200 Experten der „Jerusalemer Erklärung“ aber bestreiten jeden Zusammenhang zwischen Hass auf Juden und Hass auf Israel, sie legen großen Wert darauf, sie befragen sich selbst:

„Unterscheidet die ‚Jerusalemer Erklärung‘ zwischen Antizionismus und Antisemitismus?“

Antwort:

„Diese beiden Konzepte unterscheiden sich grundsätzlich.“

Samuel Salzborn, Berliner Antisemitismusbeauftragte, nennt dies ein

„rhetorisches Ticket, das seit Jahrzehnten keine Gültigkeit mehr hat. Es gab natürlich in der Vergangenheit innerjüdische Debatten, in denen der Zionismus in Frage gestellt wurde, hier und dort ist das auch immer noch der Fall. Faktisch ist es aber seit Jahrzehnten so, dass nahezu alle, die sich antizionistisch äußern, auch Antisemiten sind.“

Ebenso Rensmann, er stellt in seiner Expertise klar:

„Die Behauptung dieser ‚grundsätzlichen‘ Differenz (zwischen Antisemitismus und Antizionismus) ist historisch und empirisch falsch. Sie steht im Widerspruch zu den Erkenntnissen der Antisemitismusforschung.“

Und dann erinnert er –  der Hinweis liegt so nahe, dass es weh tut, ihn zu zitieren  –  an Adolf Hitler, der den „Zionistenstaat“ bereits 1920, ein Vierteljahrhundert vor Staatsgründung, zur Schaltzentrale jüdischer Weltherrschaft erklärt hat,

„von dort aus soll alles dirigiert werden und jeder Jude soll gewissermaßen noch eine Immunität bekommen als Staatsbürger …“

Offensichtlich, dass es keinen Staat Israel braucht, um ihn zu hassen.

(5) Recht auf Demokratie

Freiheit für Syrien? Eine Minderheitenmeinung. Pro-Hamas-Demo Bochum Mai 2021 | thw

Die „Jerusalemer Erklärung“ ist kraus, sie redet Antisemitismus aus der Welt und Terror schön. Palästinensern bleibt ein Leben mit der Hamas. Rensmann spricht von einem „verzerrten Universalismus“.

Auch das kennt man von BDS seit Jahren: Die Boykotteure sind so sehr damit beschäftigt, keinmal in Israel zu spielen, dass ihnen keine Minute bleibt, einmal in Ramallah aufzutreten. So jetzt auch die „Jerusalemer Erklärung“: Die „Stimmen von Palästinenser:innen“, von denen die 200 behaupten, sie wollten sie legitimieren,

„interessieren nicht als Stimmen gegen die religiöse Diktatur“,

so Rensmann. Als Leidtragende eines Terror-Regimes tauchen Palästinenser nicht auf. So wenig wie das Recht auf Demokratie auftaucht, das sie haben und das ebenso Israel hat darauf, dass es die Palästinenser endlich einmal wahrnehmen können: Demokratien verhandeln.

Auch Micha Brumlik, emeritierter Erziehungswissenschaftler und Publizist, ein links geschulter, aber unabhängiger Kopf, hat die „Jerusalemer Erklärung“ unterzeichnet und öffentlich verteidigt. Zuletzt, als auch die Hamas ihre Jerusalemer Erklärung abgegeben und Raketen auf eben diese Stadt abgefeuert hat, die hierzulande dann von Tausenden bejubelt wurden, zuletzt klang Brumliks Erklärung anders:

„Mein Eindruck ist, dass es den Menschen, die dort (in Deutschland) demonstrieren, überhaupt nicht darum geht, Solidarität mit bombardierten Palästinensern, palästinensischen Frauen und Kindern in Gaza zu zeigen, sondern dass sie da einen Ausweg, ein Ventil suchen, um schieren Judenhass an den Tag zu legen.“

Brumlik spricht  –  nein, nicht von importiertem Antisemitismus, der sich gegen einen home grown Antisemitismus ausspielen ließe, der AfD-Sound ist weltenweit entfernt  –  Brumlik spricht von einem „grundlegend antisemitischen Tonfall“, der selbst legitime Kritik „delegitimiere“.

Wäre es, lieber Micha Brumlik, nicht an der Zeit für eine Ramallah-Erklärung, eine Gaza-Declaration? 200 Wissenschaftler aus aller Welt erklären, wie man eine Gesellschaft zur Demokratie verleiten könnte?

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ANMERKUNGEN

[1] Wörtlich: “Antisemitism is discrimination, prejudice, hostility or violence against Jews as Jews (or Jewish institutions as Jewish.” In der deutschen Übersetzung heißt es, als antisemitisch gelte, wenn „Jüdinnen und Juden als Jüdinnen und Juden“ attackiert werden, Jüdischsein solle –  auf beiden Seiten der Gleichung  –  unabhängig vom Geschlecht gelten. Das ist banal.

[2] Der Antisemitismus der Nazis war nicht kodiert, am Ende wurden tatsächlich alle Jews as Jews ermordet, hier greift die Definition. Aber deshalb, weil die Nazis auch das erste Jews selber definiert haben, wer Jude sei, bestimmten sie. Die Wenigsten verfassen heute noch Bekennerschreiben wie Hitler.

[3] Dabei ließe sich gerade an diesem Punkt  –  dem ambivalenten Charakter des Antisemitismus  –  plausibel machen, was seine Spielarten verbindet: Sie haben die Maßstäblichkeit verloren. Das kleine Israel als größte Gefahr für den Weltfrieden; Hunderttausende, die nie gegen Assad protestieren, aber gegen Israel hetzen; Medien, die Terror mit Demokratie auf Augenhöhe bringen usw.

[4] Eine „pauschale Verallgemeinerung“ ist wiederum tautologisch, aber hier passt’s, alles ist eins.