Ein anderer Ton

Frida Gold hat deutlich gemacht, worum es geht

Alina Süggeler, Seele und Stimme von Frida Gold by (c) Ayla Wessel

Es ist Krieg in Europa, es ist Europatag, Bochum begeht diesen Tag am Platz des europäischen Versprechens. Der Platz   –  ein Kunstwerk von Jochen Gerz, gebaut aus den Namen von 14 726 Europäern  –  gibt nicht vor, was ihr gemeinsames Versprechen sei, er schafft ein Bild für das, was Europa vorausgeht: das Gefühl, mit Menschen verbunden zu sein, die man nicht kennt. Wir leben auf demselben Kontinent, die einen in Frieden, die anderen im Krieg.

Für dieses Gefühl, verbunden zu sein mit denen, die leiden, hat Frida Gold einen Ton gefunden. Es ist ein anderer Ton als der, in dem einem erklärt wird, wie der Krieg, den Putin gegen die Ukraine führt, verstanden werden könnte. Für das, was sie bewegt, wenn sie die furchtbaren Nachrichten aus der Ukraine hört, hat Alina Süggeler einen Ton gesucht, der allem politischen Denken vorausliegt. Alina Süggeler ist die Stimme von Frida Gold, ihre Ratlosigkeit angesichts der Bilder aus der Ukraine ist, wenn man sich ehrlich macht, die eigene. Alina verleiht dieser Ratlosigkeit ihre Stimme, es ist die des Mitfühlens.

Aus diesem Gefühl heraus hat das Duo  –  sie am Piano, Andi Weizel an der Gitarre, begleitet von dem grandiosen Viktoria-Quartett der Bochumer Symphoniker  –  seine einst rockigen Songs in nachdenkliche, nahezu in sich gekehrte Chansons umgearbeitet. In der Christuskirche gewann ihre Musik spirituelle Qualität. Und vielleicht war dies der eigentliche Ertrag des Bochumer Benefiz: dass es möglich ist, der eigenen Rat- und Hilflosigkeit eine öffentliche Stimme zu geben.

Eine tatkräftige. Der Benefiz-Abend mit Frida Gold und dem Viktoria-Quartett der Bochumer Symphoniker hat 13.817 € für die Gesellschaft Bochum-Donezk erbracht. Die Summe setzt sich zusammen aus dem Verkauf von Tickets  –  zwischen10 und 50 € je nach eigenem Vermögen, in der Christuskirche selber galt freie Platzwahl  –  sowie dem Verkauf von Getränken, auch hier galten Preise „ab 3 bis 99 €“, jeder Cent für die Ukrainehilfe.  

Die Summe, die an die BO-Donezk-Gesellschaft überwiesen wird, kann sich in den kommenden Tagen noch steigern. Die vielen Akteure dieses Bochumer Benefiz  –  Techniker, Bühnenkräfte, Köchin, Service-Personal ua  – , die als Solo-Selbständige arbeiten und nach zwei Corona-Jahren gerade erst wieder in Lohn kommen können, werden mit einem pauschalierten Tagessatz vergütet. Ermöglicht hat dies der Bochum Fonds. Viele der Freelancer, die für die Christuskirche arbeiten, haben im Vorfeld erklärt, ihr Honorar der Gesellschaft Bochum-Donezk zu spenden. Bochum steht zusammen, so hat es OB Thomas Eiskirch erklärt, als er den Europatag am Platz des europäischen Versprechens eröffnet hat: Bochum steht zusammen, wie Europa zusammenstehen wird.