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ChorWerk Ruhr | Ein deutsches Requiem

Konzert zum Volkstrauertag am Platz des europäischen Versprechens [mehr Infos] Warum müssen Menschen leiden? Wie kann Gott es zulassen, dass die verzweifeln, die er liebt, wie kann er bei sich selber sein, wenn er uns traurig sieht? Johannes Brahms hat diese Frage, die Theodizee-Frage, „das große Warum“ genannt und eine „kleine Abhandlung über das große […]

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ChorWerk Ruhr in der Christuskirche Bochum, Februar 2017 | (c) Sabine Michalak

Konzert zum Volkstrauertag am Platz des europäischen Versprechens [mehr Infos]


Warum müssen Menschen leiden? Wie kann Gott es zulassen, dass die verzweifeln, die er liebt, wie kann er bei sich selber sein, wenn er uns traurig sieht? Johannes Brahms hat diese Frage, die Theodizee-Frage, „das große Warum“ genannt und eine „kleine Abhandlung über das große ‚Warum ‘“ geschrieben, die Motette wurde zu einem berührenden Werk: „Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen“.

Zehn Jahre zuvor, 1868, hatte Brahms sich erstmals der Frage gestellt, wie Gott es zulassen kann, dass Menschen verzweifeln im Angesicht des Todes. Angesichts sinnlosen Leidens, angesichts einer nicht fassbaren Endgültigkeit. Das „Deutsche Requiem“ beruht  –  wie auch Brahms Motette  –  auf biblischen Texten beider Testamente, und zwar  –  deswegen „deutsches“ Requiem  –  in der Übersetzung von Luther. Ausgewählt und zusammen gestellt hat Brahms die Texte selber, und beide Male hat er bei dieser Komposition der Texte eine Haltung bewiesen, die er selber einmal als „ketzerisch“ bezeichnet hat, die man aber, wenn man die Bibel kennt, nur als biblisch bezeichnen kann: Er verweigert den falschen Trost, der darin liegt zu glauben, der Tod sei nur der Übergang in eine bessere Welt.

Nichts bei Brahms weist darauf hin, was ja so viele gerne glauben, dass jeder Tod nur eine Reise sei und jedes Requiem ein Reisesegen. Der Tod, lässt Brahms mit 1 Kor 15 singen, werde nicht durchwandert, er müsse überwunden werden, und zwar nicht von uns, sondern von Gott, und zwar nicht jetzt, sondern „zur Zeit der letzten Posaune“. Keinen Tag vorher, dann aber „plötzlich, in einem Augenblick“.

Damit aber verweigert Brahms seiner Zeit das, was sie am höchsten verehrt, den Glauben an einen Fortschritt, der das Totenreich durchquere wie ein Conquistadeur seine Kolonien oder das proletarische Subjekt seine geschichtliche Mission oder eben die Aufklärung das Schattenreich. Der Tod markiert eine Grenze, keine Seele ist unsterblich: Mit dieser Feststellung steht Brahms  –  anders als so viele Seelsorger heute  –  auf biblischem Boden. Wo es um die Frage geht, warum Menschen leiden und sich quälen und es ihnen mit Leib und Seele nicht anders ergeht als dem Vieh  –  „wie dieses stirbt so sterben sie auch“, heißt seelsorgerlich nüchtern beim Prediger Salomo  –   von dieser Frage getrieben rettet sich Brahms in kein Fortschrittspathos hinein, sondern er flieht vor der Frage weg zu ihr hin, er flieht von Gott zu Gott, dem Gott Abrahams:

„Herr, wessen soll ich mich trösten? Ich hoffe auf Dich.“

Lässt sich dies  –  das Leiden angesichts des Todes  –  lässt sich dies mit großem Orchester und noch größerem Chor ausdrücken? Brahms hat das Requiem, hier ganz Kind seiner Zeit, für eine reichlich große Besetzung geschrieben, allein der Chor sollte 200 Stimmen stellen. Florian Helgath reduziert auf 29 solistische Stimmen und übersetzt das gewaltige Orchester in den Klang von zwei Flügeln. Eine vierhändige Klavierfassung des Werkes hatte bereits Brahms selber erstellt, sie kommt einer schöpferischen Um– und Neugestaltung des Werkes bereits nahe. Das Duo d’ Accord erstellt derzeit eine eigene, neue Klavier-Transkription für zwei Klaviere. So entsteht eine kammermusikalisch transparente Form, dazu da, Antworten zu finden auf die Frage, wie es klingt, auf einen Gott zu hoffen, der sagt:

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

 


CWR 102 | EIN DEUTSCHES REQUIEM

JOHANNES BRAHMS | 1833 – 1897
_ Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen (1878)
für gemischten Chor a cappella 10‘

JOHANNES BRAHMS | 1833 – 1897
_ Ein deutsches Requiem op. 45 (1866)
Transkription für Solisten, Chor und 2 Klaviere vom Duo d’Accord 80’

MIT

Johanna Winkel | Sopran
Thomas E. Bauer | Bariton
Duo d’Accord | Klavierduo Lucia Huang & Sebastian Euler
ChorWerk Ruhr
Florian Helgath | Musikalische Leitung


>> Einlass ab 16:00 Uhr
>> Einführung in die Werke: voraussichtlich 16:30 Uhr
>> VVK 24,00 € zzgl. Gebühren | halber Preis für alle bis 25 Jahre
>> Tickets direkt hier bei uns und in allen besseren VVK-Stellen


CWR 102 ist eine Kooperation von ChorWerk Ruhr, Christuskirche Bochum und dem Kulturbüro der Stadt Bochum

ChorWerk Ruhr | Ein deutsches Requiem

Konzert zum Volkstrauertag am Platz des europäischen Versprechens [mehr Infos] Warum müssen Menschen leiden? Wie kann Gott es zulassen, dass die verzweifeln, die er liebt, wie kann er bei sich selber sein, wenn er uns traurig sieht? Johannes Brahms hat diese Frage, die Theodizee-Frage, „das große Warum“ genannt und eine „kleine Abhandlung über das große […]