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Greg Haines + Petrels | Denovali Residency Concert

HAINES mit neuem Album, es heißt „WHERE WE WERE“, es überrascht: Die Streicherparts, die so zentral waren in seinen vergangenen Werken, sind verschwunden, hier laufen die Spuren von Synthesizern durch eine Musik, allerdings laufen sie auf analogen Bändern. Ein eigentümlicher Verfremdungseffekt – der digital gereinigte Klang, den wir im Ohr haben, hat uns im Griff […]

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Greg Haines by Thomas Hack

HAINES mit neuem Album, es heißt „WHERE WE WERE“, es überrascht: Die Streicherparts, die so zentral waren in seinen vergangenen Werken, sind verschwunden, hier laufen die Spuren von Synthesizern durch eine Musik, allerdings laufen sie auf analogen Bändern. Ein eigentümlicher Verfremdungseffekt – der digital gereinigte Klang, den wir im Ohr haben, hat uns im Griff – bei Haines hört man Klavierparts auf eine Weise, dass man genau hinhören muss, um darauf zu kommen, dass es Klavierparts sind. Die Streicher? Gestrichen. Die ruhige und bedacht dahin fließenden Momente, sie tauchen immer wieder auf, dominant aber sind erst einmal: die rhythmischen Tracks. Die Landschaft, die hier entsteht, ist eine Clublandschaft. Haines geht neue Wege.

Ein Jahr hat er an diesem Album geschraubt, hat dabei aber versucht, die Unmittelbarkeit zu bewahren: Die akustischen Instrumente – Klavier, Vibraphone, perkussive Geräte – spielen keine Kompositionen herunter, sondern sind komplett improvisiert und oft roh und unverändert übernommen. Ursprünglich hatte Haines geplant, solche ungeschliffenen, verrauschten Tracks, irgendwo irgendwie eingespielt, neu aufzunehmen – dann aber wurde ihm klar, dass diese nicht fertig gedachten Momente gerade das sind, was das Album anders macht. Oft „neben der Spur“ und „schief“, aber immer so, dass sie dem benebelten Analogsound eine weitere Dimension hinzufügen. Alles ist auf altmodische Art gebaut, nirgends ein Mouseklick, dafür zwei Hände, die an Knöpfen drehen.

Ein destilliertes Tagebuch, das die Erforschung alter Tonbandmaschinen, analoger Synthesizer und perkussiver Instrumente dokumentiert, teilweise eingespielt von SYTZE PRUIKSMA (mit Greg Haines zusammen Mitglied beim ALVARET ENSEMBLE, dessen Debutalbum Ende 2012 bei Denovali erschienen ist) und manchmal aufgenommen im mitternächtlichen Taumel in Gregs Berliner Studio. Diese Arbeitsweise führte dazu, dass viele langjährige Einflüsse Eingang gefunden haben, die bislang in Gregs Musik nicht sichtbar werden konnten. Die Dubexperimente von Grössen wie KING TUBBY oder LEE PERRY, später fortgeführt von etwa RHYTHM & SOUND hatten eine tiefgreifende Wirkung auf die aktuellen Stücke, ebenso das ikonische Werk von TONY ALLEN und anderer afrikanischer Komponisten. Die sphärischen Klangwelten früher TANGERINE DREAM und KLAUS SCHULZE Werke nahmen immer schon einen subtilen Einfluss auf Gregs Schaffen, schlagen aber jetzt, bewaffnet mit einem Arsenal staubiger Studiospielzeuge, voll durch.

Die hier angeführten Einflüsse stehen scheinbar im Widerspruch zu Haines früheren Arbeiten. Eine Affnität zu dichten afrikanischen Polyrhythmen hat sich oft und lange in der Musik zeitgenössischer Komponisten wie STEVE REICH widergespiegelt – und ihre Reichweite und Bedeutung für westliche Musik ist schwer von der Hand zu weisen. Nichtsdestotrotz, all diese Einflüsse sind nun verschwommen und es ist unmöglich zu sagen wo ein Stil aufhört und ein anderer beginnt – möglicherweise das einzige Konzept dieses Albums. Das symphonische Synthie-Crescendo von „So it Goes“ würde nicht dieselbe Wirkung entfalten, wenn nicht der animierende Drive des Tracks „Something Happened“ folgen würde. Die ausgefeilten Arpeggios von „Wake Mania Without End II“ übersteigern die nachlassende rhythmische Explosion von „Habenero“, und ohne den vertrauten Klavier-Einstieg von „The Intruder“ würde das eingefallene Ende des Albums seinen jeinseitigen Klang einbüßen. Es ist alles enthalten, oder besser gesagt, alles was nach dem zerstörenden und verformenden, verschlingenden und ausspuckenden Zischen, Schmutz und Zerfall der Bandmaschine noch übrig ist.

Abgemischt und gemastert zusammen mit NILS FRAHM in seinem Berliner Durton Studio.

Petrels aka Oliver Barrett


Petrels-credit-Andrew-Heath

Petrels by Andrew Heath

Der Londoner hat mit ‚Haeligewielle‘ „das soweit stärkste Debutalbums eines Musikers in 2011 vorgelegt“, wie Fluid Radio seinerzeit urteilte, und manövriete anschließend mit ‚Onkalo‘ „recht souverän zwischen dichtem Klangregen, abenteuerlichen Abgründen und breitwandig para-sinfonischem, elektronischem Kitsch“, wie Diedrich Diederichsen in Spex schrieb: „Das lotet quasi das gesamte ästhetische Vokabular aus, das Popmusik hier hat.“ Jetzt also MIMA, das dritte Album:

eine Weiterentwicklung des Klangkosmos, den Petrels mit sphärischen Sounds aufschließt. „Mima“ ist die geheimnisvoll denkende Maschine in dem Sci-Fi Vers-Epos ‚Aniara‘ des schwedischen Nobelpreisträgers Harry Martinson – Pretels „Mima“ baut auf den retro-futuristischen Themen seines Vorgängers ‚Onkalo‘ auf und
beschäftigt sich – Komposition ist Konzeption – mit dem Zwilling Glaube und Ungewissheit. Petrels setzt sein Interesse an Mythologie in Töne um: Welchen Ort hat mythologisches Denken in einer entzauberten Welt, in der man glaubt [„glaubt“], dass es auf jede Frage eine Antwort gibt oder, wenn nicht, dann geben wird.

Uns so lässt sich Barrett von den Vorstellungen vergangener Zeiten inspirieren, als Menschen sich den Wettlauf zum Mond ausmalten, nimmt die literarischen Welten von Angela Carter auf, von M. John Harrison oder Iain M. Banks. Eine fragende Musik, keine von der Art, die – „seid umschlungen!“ – Gewissheiten verkauft.

Seit seinem Debuts ‚Haeligewielle‘ 2011 tourt Petrels durch Europa und hat die Bühne geteilt u.a. mit Tim Hecker, FIRE!, Nate Young (Wolf Eyes), Trouble Books, Fennesz, Nadja und Hans-Joachim Roedelius (Cluster), hat zusammen gearbeitet und Tracks remixt für Duane Pitre, Brassica, Talvihorros und Max Cooper. Ziemlich unterschiedlich, diese Musiker  –  ziemlich vielseitig, dieser Londoner. Mit seiner Musik ist er selber, was er in Töne fasst: das Nicht-Berechenbare.


>> Dienstag 12. Mai, 20 Uhr
>> mehr Infos: „Wie von Turner gemalt“

>> VVK 12 EUR inkl. Gebühren | AK 14 EUR

 

Greg Haines + Petrels | Denovali Residency Concert

HAINES mit neuem Album, es heißt „WHERE WE WERE“, es überrascht: Die Streicherparts, die so zentral waren in seinen vergangenen Werken, sind verschwunden, hier laufen die Spuren von Synthesizern durch eine Musik, allerdings laufen sie auf analogen Bändern. Ein eigentümlicher Verfremdungseffekt – der digital gereinigte Klang, den wir im Ohr haben, hat uns im Griff […]