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Räuberzivil mit Heinz Rudolf Kunze

Neulich eine Frage in der FAZ: „Ist Herbert Grönemeyer noch zeitgemäß?“ Heinz Rudolf Kunze, deutscher Rockmusiker, Songwriter, Texter und eben auch Kollege Grönemeyers, hätte  –  ungebeten, versteht sich  –  gerne geantwortet: „Nein, natürlich nicht. Zeitgemäß ist der deutsche Schlager. Wir dagegen machen etwas, mit dem man in Würde alt werden kann.“ Ist Würde zeitgemäß? Das […]

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Räuberzivil mit Heinz Rudolf Kunze

Neulich eine Frage in der FAZ: „Ist Herbert Grönemeyer noch zeitgemäß?“ Heinz Rudolf Kunze, deutscher Rockmusiker, Songwriter, Texter und eben auch Kollege Grönemeyers, hätte  –  ungebeten, versteht sich  –  gerne geantwortet:

„Nein, natürlich nicht. Zeitgemäß ist der deutsche Schlager. Wir dagegen machen etwas, mit dem man in Würde alt werden kann.“

Ist Würde zeitgemäß? Das Altwerden? Kunze las aus der Frage der FAZ den Zweifel heraus –  nicht den an Bochums Barde, sondern am Niveau heutiger Musik. Was wäre das: zeitgemäß? Kunze kann wie wenig andere mit Worten jonglieren und mit Tönen, kann Themen aufgreifen anstatt sie abzuhandeln, kann Akkordfolgen nach ästhetischen statt kommerziellen Kriterien bauen  –  und je länger je mehr geht es ihm dabei um den einen Unterschied, den zwischen nicht-gut und gut, zwischen Schlager und Singer/Songwriting.

Auch deshalb, um dieses Unterschieds willen, gibt es RÄUBERZIVIL, Kunzes Band, die vor zehn Jahren als  –  wie er es nennt  –  „leise kleine Zweitaktion“ entstanden ist und in der Zwischenzeit zu eigener Größe heran gewachsen ist. Nach bisher drei Veröffentlichungen nun ihr neues Album, sein Titel: „Tiefenschärfe“. Darauf wieder diese sehr eigene Mischung aus Kunze-Texten und akustischen Instrumenten, alles ist wie immer unerwartet.

Tiefenschärfe sind: 23 Songs, 23 Geschichten. Mal persönlich, mal gallig, mal feinsinnig, mal zornig. Kunze macht nicht in Empörung, das hat er nie, und auch der Lehrergestus ist ihm nur angedichtet. Zeigefinger, Zeigestock? Nicht mit Kunze. Wenn er beispielsweise in „Robert Limpert“ von den barbarischen Verbrechen des Nazi-Regimes erzählt, empört er mit dem bloßen Inhalt der Geschichte anstatt mit einem Gestus. Das Stück ist so etwas wie ein deutsches Gegenstück zu Dylans „Hurricane“, Kunze hat –  festgemacht am Beispiel des Widerstandskämpfers Limpert  –  den Bestand der deutschen Vergangenheit aufgenommen. Sich zu dieser Geschichte zu verhalten, ist nicht Lernziel von Kunzes Song, sondern Entscheidung jedes Einzelnen.

Über „Willkommen liebe Mörder“ wiederum sagt er: „Dieser Song wird Menschen ärgern“.  Es geht in ihm um Toleranz, und zwar die falsch verstandene, es geht um den Konflikt zwischen Religionen und Kulturen:

„Willkommen liebe Mörder, fühlt euch wie Zuhause, nichts nehmen wir euch übel, Empörung? Nicht die Spur, ihr habt halt eine andere Umbringekultur“

textet er und stellt das Lied in den Rahmen, den Max Frisch mit „Biedermann und die Brandstifter“ gezogen hat. Ein Drama, von dem Kunze mutmaßt, dass es „bewusst nicht mehr an unseren Theatern aufgeführt wird“ aus Angst vor dem Vorwurf des Rassismus.

In anderen seiner Songs wie in „Am Meer stehen“ geht es dagegen um solche Beiläufigkeiten wie die Liebe, die Selbstironie oder die Frage, was denn die Wahrheit des Lebens sei. Große Fragen, Kunze textet sich heran.

Und die Musik? Räuberzivil spaziert mittenmang durch die banalen Schlagerstrukturen auf der einen Seite und den kapriziösen Stil des Chansons auf der anderen:

„Ich bin ein anglo-amerikanisches Hörkind, bin mit Blues und Rockmusik aufgewachsen mit der Tendenz zu handgemachter Musik.“

Entsprechend die Musiker: Ralph König spielt Gitarre, Mandoline, Banjo, Lap-Steel-Gitarre, also im Grunde alles, was Saiten hat. Zu Peter Pichl am Bass und dem Percussionisten Hilko Schomerus kommt die Irische Flöte von Konrad Haas und Pedal-Steel & Lap-Steel-Gitarre von Martin Huch:

„Diese Band ist meine Spielweise, auf der ich mich austoben kann und in der ich an keinerlei taktische Überlegungen gebunden bin.“

 

>> Mit
Heinz Rudolf Kunze
Ralph König
Hilko Schomerus
Peter Pichl

>> VVK 35,70 inkl. Geb.

Räuberzivil mit Heinz Rudolf Kunze

Neulich eine Frage in der FAZ: „Ist Herbert Grönemeyer noch zeitgemäß?“ Heinz Rudolf Kunze, deutscher Rockmusiker, Songwriter, Texter und eben auch Kollege Grönemeyers, hätte  –  ungebeten, versteht sich  –  gerne geantwortet: „Nein, natürlich nicht. Zeitgemäß ist der deutsche Schlager. Wir dagegen machen etwas, mit dem man in Würde alt werden kann.“ Ist Würde zeitgemäß? Das […]