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Terror ächten!

25 Jahre nach 9/11: Glocken läuten, sie erinnern

Glockengeschoss der Christuskirche | Ayla Wessel, Kulturagentüer

Die Glocken der Christuskirche Bochum läuten nur einmal im Jahr  –  immer am 11. September von 14:46 h bis 15:03 h. Sie erinnern an die Opfer des Terrors weltweit. Sie erinnern daran, dass kein Gott ist, der Menschenopfer verlangt. Und sie erinnern uns an uns selbst: Vor 25 Jahren geschah etwas, das nie zuvor geschehen ist, für einen Moment war die Menschheit in Mitgefühl vereint.

Überall auf der Welt haben Menschen an 9/11 mit demselben Entsetzen reagiert und mit derselben Gewissheit, die sagt: Das soll nicht sein. Wen immer man heute fragt, so gut wie jeder, der damals bei Sinnen war, kann diesen Moment erinnern. Wie es war, als einen die Nachricht erreichte. Als es unmöglich wurde, das Leiden der anderen beiseite zu schieben. Als hätte die Menschheit für einen Moment die Augen aufgeschlagen.

Er ging zügig vorüber, dieser Moment. Vielleicht ist er noch einmal kurz aufgeblitzt im Bewusstsein dieser Welt, als Putins Terror-Maschine im Februar 2022 begann, die Menschen in der Ukraine niederzuwalzen. Und vielleicht erneut für einen ähnlich kurzen Moment am 7. Oktober 2023, als Hamas wahllos massakrierte. Als die unfassbaren Bilder, von den Hamas-Monstern selber gefilmt, die Kanäle weltweit überlaufen ließen. 9/11 war technisch und ästhetisch unterkühlt, der 22. Februar 2022 war wie das Remake eines Films aus dem II. WK, 10/7 dagegen war ein begieriger Blutrausch. Begeisterte Barbarei.

Terror, der keine Welle gegen Terror ausgelöst hat, sondern eine antisemitische Hasswelle. Die politisch vergütet wird. Mit Putin muss man verhandeln, daran führt kein Weg vorbei  –  aber mit Hamas? Tatsächlich hat Israel, von weltöffentlichem Hass genötigt, im Oktober 2025 ein „Gaza-Abkommen“ mit Hamas unterzeichnen müssen, um die israelischen Geiseln frei zu bekommen. 

Mit diesem Abkommen, sagt der Historiker Michael Wolffsohn, sei ein „grundsätzliches Problem“ entstanden, „ein ethisches. Nämlich dass eine Terrororganisation und ein demokratischer Staat formal völkerrechtlich auf Augenhöhe einen Vertrag abschließen. Eine Terrororganisation ist dadurch der völkerrechtlich legitimierte Sprecher zumindest eines Teils des palästinensischen Volkes geworden. Hier gibt es ein fundamentales ethisch-politisches Ungleichgewicht. Faktisch wurde die Methode des Terrorismus legitimiert.“ Legitimiert durch eine Hasspropaganda, die sich nicht gegen Hamas richtet, nicht gegen Barbarei, sondern gegen Demokratie. 

Dahin sind wir gekommen, 25 Jahre nach 9/11. Wer die Zivilisation bricht, wird von ihr gefeiert, solange sie noch feiern kann. Beten wir dafür, dass die Glocken, die an 9/11 erinnen, nicht ihre Totenglocken sind. 


11. September 2001

Ein Dienstag. Um 14:46 und 15:03 MEZ werden zwei von islamistischen Terroristen entführte Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers gelenkt. 3000 Menschen werden, unabhängig von ihrer Religion oder Herkunft oder politischen Überzeugung, in den Trümmern ermordet. Der Terror-Pilot eines vierten entführten Flugzeugs, Ziad Jarrah, ist Bochumer, er allein mordet 40 Menschen, sie sterben auf einem Feld in Shanksville/Pennsylvania.

Zwei Tage nach den Terror-Attacken finden sich Bochumer Bürger aller Religionen und Anschauungen in der übervollen Christuskirche zusammen, sie gedenken der Opfer und widersprechen dem Terror. Widerspruch anstatt des Gefasels von „Widerstand“. Um dieses Nein zum Terror zu erinnern, läuten die Glocken der Christuskirche Bochum seitdem an jedem 11. September von 14:46 bis 15:03 h.

Das Geläut

1958 im Bochumer Verein in unmittelbarer Nachbarschaft gegossen. Mit 6,2 Tonnen Gesamtgewicht ist es deutlich schwerer, als es das originale Geläut mit 2,8 Tonnen war. Zu schwer für den nun freistehenden Turm, wie mehrere Schwingungsgutachten ergeben haben, die wir Ende der 90er Jahre beauftragt hatten. 2002 wies ein Sachverständigenrat an, dass nur noch die drei kleinen Glocken im Regelbetrieb zu läuten seien  –  oder aber, dies der Vorschlag von uns, alle fünf Glocken einmal im Jahr. 

Insidern, die Jahr für Jahr an 9/11 herbeikommen, gilt das Geläut der Christuskirche mit seinem warmen, trostreichen Klang als eines der bestklingenden Stahlgeläute überhaupt. 

» Eine Aufnahme des Geläuts [Ton und Bild] hier.

» Hier geht es zur auch transatlantischen Geschichte der Christuskirche

 

Glocken im Turm der Christuskirche Bochum by thw