Jazz, Piano

Nik Bärtsch

„Ekstase durch Askese“ | Piano solo am 12. November

Nik Bärtsch mit Mobile 2016 in der Christuskirche by (c) Heinrich Brinkmöller-Becker

Wäre das hier nicht Bochum, sondern ein romantisches Städtchen, griffe man weit zurück hinter die Moderne und dann zu dem Vergleich mit einer Uhr, einer mechanischen, aufgedreht von einem göttlich begabten Uhrmachermeister, und schon schriebe man von vielen Rädchen, die fleißig ineinandergriffen, während sie ihrem eigenen Tempo folgten, schriebe von Gestirnen, die auf ihren Bahnen knirschten, und von Herzen, die im Gleichtakt schlügen, aber das hier ist Bochum, Pulsschlag aus Stahl.

Und was Nik Bärtsch mit rund 230 Stahlsaiten macht, die ein Grand Piano aufweist, ist durch und durch urban, er bezeichnet seine Musik als „Ekstase durch Askese“. Übersetzt etwa: Außer-sich-sein durch Konzentration. Oder: Freiheit durch Selbstbesinnung. So oder so hat es religiöse Weite, es ist dieselbe wie im Techno, auch eine Bach-Fuge funktioniert so, Nik Bärtsch spricht von „ritual groove music“.

In der Tat tritt man in sie ein wie in eine Stadt und versucht, die Sounds und ihre Rhythmen zu orten. Sie kommen einem entgegen, sie folgen einem nach, man nimmt ihre Bewegungen auf, und so, durch „Überlagerungen verschiedener Metren bewegt sich die Musik fort und verändert ihre Zustände”, sagt Nik Bärtsch:

Die Stadt in ihrer rauschhaften Vielfalt fordert die Fähigkeit zu fokussieren – Beschränkung aufs Wesentliche: Dosiert agieren, am richtigen Ort nichts tun.”

Der Zürcher ist eine internationale Größe in einem weiten künstlerischen Raum, der sich zwischen Klassik, Jazz und Ambient auftut. Einem urbanen Raum, architektonisch gegliedert, rhythmisch verzahnt. Darin gewinnt Bärtschs Solo – ähnlich wie wenn er mit seinen Bands, Mobile und Ronin zusammen spielt –  einiges an Trance, das aber nicht als Flucht aus der Welt, sondern dicht an der Wirklichkeit entlang.

Wie Techno auf dem bürgerlichsten aller Instrumente, dem Grand Piano. Und das heißt: Man verträumt sich nicht, während man seiner Musik folgt, man veraufmerksamt. Weil alles Aufmerken auf minimale Variationen gerichtet ist.

Nik Bärtsch mit Mobile 2016 in der Christuskirche by (c) Heinrich Brinkmöller-Becker

Dass es die kleinen Veränderungen sind, die große Unterschiede machen, kennt man aus der Chaos-Forschung: Der Schmetterling, der in Brasilien mit seinem Flügel schlägt, löst einen Orkan in Texas aus. Unterschied zu Nik Bärtsch: Seine Musik lässt aufmerken auf das, was sich im Kleinsten tut, noch während es mit seinem Flügel schlägt. Man interessiert sich für den Schmetterling lange vor dem Orkan, den Nik seinem Flügel entlockt.

„Mein Denken und meine Musik entwickeln sich aus der Tradition des urbanen Raums”, sagt er, “sie sind aus dem universellen Klang der Städte destilliert, nicht aus einer nationalen oder einer Stil-Tradition. Diese Musik schöpft ihre Energie aus der Spannung zwischen kompositorischer Strenge und improvisatorischer Selbstüberlistung. Aus selbstgewählter Einschränkung entsteht Freiheit. Ekstase durch Askese.“

Sich selber überlisten. Schöner lässt sich nicht sagen, was diese Musik mit einem macht. Perfekt, um herauszufinden, wie das Leben nach Corona klingt.

Freitag 12. November 20 Uhr | Einlass 19 Uhr
Tickets 21 € direkt hier bei uns ordern!