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Nik Bärtsch

Solo Piano

Nik Bärtsch 2016 in der Christuskirche Bochum

Wäre das hier nicht Bochum, sondern ein romantisches Städtchen, griffe man weit zurück hinter die Moderne und dann zu dem Vergleich mit einer Uhr, einer mechanischen, aufgedreht von einem göttlich begabten Uhrmachermeister, und schon schriebe man von vielen Rädchen, die fleißig ineinandergriffen, während sie ihrem eigenen Tempo folgten, schriebe von Gestirnen, die auf ihren Bahnen knirschten, und von Herzen, die im Gleichtakt schlügen, aber das hier ist Bochum, Pulsschlag aus Stahl.

Und was Nik Bärtsch mit rund 230 Stahlsaiten macht, die ein Grand Piano aufweist, ist durch und durch urban, er bezeichnet seine Musik als „Ekstase durch Askese“. Übersetzt etwa: Außer-sich-sein durch Konzentration. Oder: Freiheit durch Selbstbesinnung. So oder so hat es religiöse Weite, es ist dieselbe wie im Techno, auch eine Bach-Fuge funktioniert so, Nik Bärtsch spricht von „ritual groove music“.

In der Tat tritt man in sie ein wie in eine Stadt und versucht, die Sounds und ihre Rhythmen zu orten. Sie kommen einem entgegen, sie folgen einem nach, man nimmt ihre Bewegungen auf, und so, durch „Überlagerungen verschiedener Metren bewegt sich die Musik fort und verändert ihre Zustände”, sagt Nik Bärtsch: “Die Stadt in ihrer rauschhaften Vielfalt fordert die Fähigkeit zu fokussieren – Beschränkung aufs Wesentliche: Dosiert agieren, am richtigen Ort nichts tun.”

Der Züricher ist eine internationale Größe in einem weiten künstlerischen Raum, der sich zwischen Klassik, Jazz und Ambient auftut. Ein urbaner Raum, architektonisch gegliedert, rhythmisch verzahnt. Genau wie mit seinen Bands  –  Mobile und Ronin, mit Mobile war er 2016 bei uns zu Gast  –  gewinnt Bärtschs Solo einiges an Trance, das aber nicht als Flucht aus der Welt, sondern dicht an der Wirklichkeit entlang. Wie Techno auf dem bürgerlichsten aller Instrumente, dem Grand Piano.

Man verträumt sich nicht, während man seiner Musik folgt, man veraufmerksamt. Weil alles Aufmerken auf minimale Variationen gerichtet ist.

Dass es die kleinen Veränderungen sind, die große Unterschiede machen, kennt man aus der Chaos-Forschung: Der Schmetterling, der in Brasilien mit seinem Flügel schlägt, löst einen Orkan in Texas aus. Unterschied zu Nik Bärtsch: Seine Musik lässt aufmerken auf das, was sich im Kleinsten tut, noch während es mit seinem Flügel schlägt. Man interessiert sich für den Schmetterling lange vor dem Orkan, den Nik seinem Flügel entlockt.

„Mein Denken und meine Musik entwickeln sich aus der Tradition des urbanen Raums”, sagt er, “sie sind aus dem universellen Klang der Städte destilliert, nicht aus einer nationalen oder einer Stil-Tradition. Diese Musik schöpft ihre Energie aus der Spannung zwischen kompositorischer Strenge und improvisatorischer Selbstüberlistung. Aus selbstgewählter Einschränkung entsteht Freiheit. Ekstase durch Askese.“

Sich selber überlisten. Schöner lässt sich nicht sagen, was diese Musik mit einem macht.

 


Nik Bärtsch

Solo Piano

Einlass 19 Uhr | VVK 18 € zzgl. Gebühren | 1/2 Preis für alle bis 25 Jahre | Tickets direkt hier bei uns sowie in allen besseren VVK-Stellen bundesweit | Die Veranstaltung findet unter Einhaltung der aktuellen gesetzlichen Vorgaben statt. Bitte informieren Sie sich vorab, ob und unter welchen Bedingungen wir die Veranstaltung durchführen können. Derzeit gilt die 3G-Regel.