Lade Veranstaltungen

Konstantin Wecker | Revolution

Kann man über Konstantin  –  wörtlich: „der Beständige“  –  über Konstantin Wecker  –  von mhd. wekken: „beginnen“  –  kann man über ihn, den Beständigen Beginner, etwas schreiben, das Bestand hätte? Zumindest bis zum Konzert im Oktober bei uns? Er ist ein Generationen-Sänger, die Stimme der beständigen Beginner, sie sind die Revolution, die er nie gerufen […]

Konstantin-Wecker 2016 by Thomas-Karsten Quer kl

Konstantin Wecker by Thomas Karsten

Kann man über Konstantin  –  wörtlich: „der Beständige“  –  über Konstantin Wecker  –  von mhd. wekken: „beginnen“  –  kann man über ihn, den Beständigen Beginner, etwas schreiben, das Bestand hätte? Zumindest bis zum Konzert im Oktober bei uns? Er ist ein Generationen-Sänger, die Stimme der beständigen Beginner, sie sind die Revolution, die er nie gerufen hat, warum auch, er hat sie gesungen „ohne Warum“, die

REVOLUTION von Konstantin Wecker:

>> Höchste Zeit Freunde, auch mal Bilanz zu ziehen,
keine Angst – nicht um zu fliehen,
sondern einfach mal so zwischendrin
nachzufragen, wo ich stehe, wo ich bin.
Über vierzig Jahre öffentlich geschwitzt,
früher oft verbissen, heut´ auch gern verschmitzt,
wunderbare Nächte mit Euch allen
selbst in viel zu kalten Mehrzweckhallen,
herrliche Konzerte voller Glück,
die nimmt uns keiner, das kommt tausendfach zurück. <<

Klingt das sentimental? Im Oktober vor zwei Jahren las Konstantin Wecker eher zufällig ein Buch von Dorothee Sölle, Lyrikerin der Theologie, Poetin des Protestes  –  „Mystik und Widerstand“, so der legendär gewordene Buchtitel von 1997. Wecker: „Hier schreibt mir jemand aus der Seele.“ Warum? „Das Buch macht Mut, zu dem zu stehen, was man in den stillsten und glücklichsten Momenten des Lebens erfahren darf.“ Als hätte Wecker die Quelle seines Engagements entdeckt, die „Quelle des Seins“, wie er es nennt, die Mystik des Widerstands.  –  Weiter im Text seines tour-titel-gebenden Songs: 

>> Was ist da nur passiert in all den Jahren,
und welcher Karren ist in welchen Dreck gefahren?
Erinnert Euch an die Konzerte für den Frieden,
wo sind die Hunderttausende geblieben,
als wir noch standen gegen Abbau aller Rechte,
die man sich mühevoll erkämpfte gegen Mächte,
die damals doch anscheinend stärker waren,
als man es wissen wollt´ in diesen Jahren? […]
Was ist passiert? Wie konnte es so kommen?
Hat man uns jedes Recht auf Mitsprache genommen? <<

Kürzlich, erzählt Wecker im Interview im Deutschlandfunk, sei er gefragt worden, ob die Revolution, die er damals als 68er gemacht habe, jetzt nicht von der AfD käme, darauf Wecker: „Das ist ein Riesenunterschied. Was machen denn AfD und Pegida? Sie suchen sich die Ärmsten raus und prügeln auf die ein. Und weil Frau Merkel angeblich die Ärmsten beschützt, prügeln sie auf Frau Merkel ein. Nein, das ist keine Revolution, das ist ein Putsch. Revolutionen kommen von links, der Putsch kommt von rechts.“  –  Der klassische Kompass: Revolutionäre reiten nie gegen Ärmste und Arme, sondern gegen „Banken und Konzerne“, mithin gegen „die Reichen“:

>> Ich würd´ ihnen den Reichtum gerne lassen,
die schicken Autos und ihr lautes Prassen,
nur leider kaufen sie sich unsre Erde
und unser Land mit protziger Gebärde
und machen sich an schönsten Flecken breit
und rauben denen, die seit langer Zeit
das Land mit andern teilen
das Recht, dort weiter zu verweilen,
nur weil die ärmer sind, auch oft verlieren
und nicht mit Lebensmitteln spekulieren.

Und glaubt mir, Freunde – sollt ich´s nicht erleben,
dann will ich´s gerne meinen Kindern weitergeben:
Seid wachsam, tapfer, haltet euch bereit,
man muss das Pack enteignen seiner Zeit!
Ach pfeifen wir auf alles, was man uns verspricht,
auf den Gehorsam, auf die sogenannte Pflicht,
was wir woll´n ist kein Reförmchen und kein höh´rer Lohn,
was wir woll´n ist eine

REVOLUTION!
REVOLUTION!

Ja, es ist nun wirklich an der Zeit,
etwas zu tun gegen die Ungerechtigkeit,
gegen ein abgewrackt korruptes System,
das kein Problem löst, denn es selbst ist das Problem … <<

Wer oder was ist „es“? Aus Dorothee Sölles Buch zitierte Wecker den Satz: „Ich will mich dem schicksalhaften Zwang der Moderne nicht absolut unterwerfen …“  –  Ist „es“ die Moderne? Meint er das? Es wäre fatal, ein solcher Retrosound wäre in der Tat kaum von dem der AfD-Ästheten zu unterscheiden, die zurück wollen zu all den dubiosen Gewissheiten, Abendland und Scholle in einer schwarz-rot-vergoldeten Welt?  –  Gegen die Moderne singen darf nur, wer sie über sich selber hinaus treiben will, Wecker:

>> Drum müssen wir uns wieder neu erdenken,
uns vernetzen, uns mit uns beschenken,
nicht gewaltvoll, doch gewaltig an Ideen,
ohne Führer doch zusammenstehen,
niemand muss sich an Befehle binden,
und so wollen wir die Welt uns neu erfinden,
ohne Gier und ohne Herrschaft, ohne Zwang,
werden wir zusammen EIN Gesang … <<

Singt Konstantin Wecker und sagt (im Interview mit dem DLF): „Ich bin kein Theologe, bin aus der Kirche ausgetreten. Aber in einem Punkt gebe ich Frau Sölle völlig recht: Jesus Christus war ein Revolutionär.“

>> Was wir woll´n ist kein Reförmchen und kein höhrer Lohn,
was wir woll´n ist eine
REVOLUTION!
REVOLUTION!
REVOLUTION!
REVOLUTION!
REVOLUTION! <<


KONSTANTIN WECKER:

Musiker, Liedermacher, Komponist und Poet, Schauspieler und Autor. Wuchs in München auf, früher Klavierunterricht, dann Gitarre, Geige, Kinderchor. 1969 Abitur, anschließend Studium der Philosophie und Psychologie in München. 1971 Gründungsmitglied der Rock-Soul-Gruppe Zauberberg, lange Jahre schlägt er sich halbwegs durch u.a. als Schauspieler in kruden Sex- und schrägen TV-Filmen. Schreibt Songs, schreibt Theaterstücke, erste Alben, dann fortlaufend weitere, 1977 erscheint „Willy“: Ogfanga hat des ja alles 68 …

Die folgenden Jahrzehnte: atemlose Kreativität, vielfach ausgezeichnet, vielspurig unterwegs, Theater, Film, Buch. Und Musik, das Liedermachen ist das Beständige, er stand mit Joan Baez auf der Bühne. Und ging in die DDR, gab Kirchenkonzerte zu einer Zeit, als alle Welt gewiss war, die Revolution sei mit der DDR Staat und dieser Staat ewig geworden. 1991, das neue Deutschland war gegründet, schreibt er „Willy“ weiter: Amadeu Antonio war erschlagen worden, das erste Todesopfer eines Rassismus, der im neuen Deutschland um sich greift:

„Und heut‘ fangt es alles wieder an … Kannst dich noch erinnern an dieses Gedicht vom Pfarrer Niemöller …?“

Wecker ist der, der mit dem Herzen denkt. Ein linksgrünversiffter Altachtundsechziger (er über sich). Gott sei Dank, dass es sie gibt.


Solar Penguin Agency präsentiert:
KONSTANTIN WECKER + Band
Revolution

TERMIN
Mittwoch, 19. Oktober 2016 | 20 Uhr | Einlass 19 Uhr

TICKETS
59,95 / 49,95 Euro | Tickets hier

LINKS
Weckers Bio, 40 Jahre Beständiges Beginnen.

Konstantin Wecker | Revolution

Kann man über Konstantin  –  wörtlich: „der Beständige“  –  über Konstantin Wecker  –  von mhd. wekken: „beginnen“  –  kann man über ihn, den Beständigen Beginner, etwas schreiben, das Bestand hätte? Zumindest bis zum Konzert im Oktober bei uns? Er ist ein Generationen-Sänger, die Stimme der beständigen Beginner, sie sind die Revolution, die er nie gerufen […]