Lade Veranstaltungen

Leslie Clio

Take me to Church

Leslie Clio by Sarah Köster

„Modern soul pop with a touch of retro”, so umschreibt sie ihre Musik. Mit der sie gleich anfangs den Gitarristen der Indie-Rock-Band Tomte überzeugt hat, Nikolai Potthoff produzierte das erste Album der Hamburgerin, die so gar nicht zur Hamburger Schule zählt auch deshalb, weil sie selber längst in Kreuzberg lebt, der ehemaligen Hochburg für alles, was irgendwie rebellisch klang. Leslie Clios Musik klingt nicht rebellisch, nicht beim ersten Hören, nicht beim zweiten, diese Musik ist gutgelaunt, sonnig, lebensfroh. Schönster Pop, der sich einfach nicht weghören lässt, weil hörbar eigensinnig. Vielleicht doch rebellisch? Genauer hinhören. „Brave New Woman“ heißt ihr neues Album.

Sie hat es in kompletter Eigenregie produziert, „ich wollte einfach selbst entscheiden, wie die Songs produziert werden sollen und mit wem ich zusammenarbeiten möchte“, sagt sie. Ergebnis: ein reines Frauen-Team, das sie um sich herum bildet, Management, Vermarktung, Promo, alles in Frauenhand. So hat es jetzt auch Charlotte Brandi mit ihrem neuen Album gemacht, offenbar ist es die Popmusik, die hier vorangeht und ganz unrebellisch rebelliert: „Es ärgert mich, dass Frauen in unserem Business immer noch so unterrepräsentiert sind“, sagt Leslie Clio, „der einzige Weg aus dieser patriarchalischen Sackgasse besteht darin, Frauen einzustellen, simple as that. Ich bin megastolz, dass in meinem Team so ein Haufen toller Frauen zusammengekommen ist und ich das möglich machen konnte.“

Und Stück für Stück fügt sich das Bild zusammen: Leslie Clio, als Newcomerin gehypt, erste Radiohits, erste Chartserfolge, sie supportet Größen wie Bosse und Keane, baut aber immer wieder dunkle Momente ein in ihre Musik, fast so, als misstraue sie dem Pop, wenn er zu schön werden könnte. Erst mit ihrem 2015er Album „Eureka“ und „Purple“ aus 2017 setzt sich ihre Lebensfreude musikalisch durch und jetzt, mit dem neuen Album, ihr hörbarer Eigensinn:

„No one‘s gonna tell you how to move on / Except the girl with a gun” singt sie in dem Opener von „Brave New Woman“, der Song „Girl With A Gun“ umreißt gleich zu Beginn, worum es auf diesem sowohl kämpferischen wie in sich ruhenden Album geht: um Self Empowerment, um Gelassenheit im Aufbruch und darum, dass man seinen Platz im Leben nicht zugewiesen bekommt, sondern ihn sich selber aussuchen kann  –  und gegebenenfalls um ihn kämpfen muss. Poppigere Nummern wie “Good Trouble” oder “Abcdef*ck Off” setzen die Rebellion und Edginess des progressiven Openers fort, daneben dann aber „Comment Allez-Vous?“, eine wehmütig-bezaubernde Akustikballade, dann der auf klassische Weise erhabene Klaviersong „Back to You“ oder der als Ballade völlig neu interpretierte Camouflage-Hit „Love is a Shield“.

Abwechslungsreich, diese Musik, „Brave New Woman“ ist ein sowohl innovatives wie zeitloses Album, das sie auf der „Take Me To Church“-Tour  –  lediglich sechs Konzerte  –  in ein rein akustisches Gewand einkleiden wird. Und das heißt, die Musik, gerade auch die akustischen Interpretationen ihrer großen Hits wie “I Couldn´t Care Less”, “Told You So” und “My Heart Ain´t That Broken”, sie rückt einem sehr nah.

Leslie Clio

Take me to Church

Einlass 19 Uhr | VVK 31,50 € zzgl. Gebühren | Tickets direkt hier bei uns und in allen besseren VVK-Stellen bundesweit