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Markus Stockhausen | Quadrivium

Trompeter, Komponist, ein begnadeter. Und Sohn eines Begnadeten, sein Vater  –  Karlheinz Stockhausen gilt nicht nur als, sondern ist es: einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts  –  hat ihm den Weg eröffnet, den er dann mit eigenem Navi gegangen ist. Die Augen offen, die Ohren und das Herz dafür, mit anderen Musik zu machen, […]

Quadrivium by o-tonemusic.eu

Trompeter, Komponist, ein begnadeter. Und Sohn eines Begnadeten, sein Vater  –  Karlheinz Stockhausen gilt nicht nur als, sondern ist es: einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts  –  hat ihm den Weg eröffnet, den er dann mit eigenem Navi gegangen ist. Die Augen offen, die Ohren und das Herz dafür, mit anderen Musik zu machen, die es noch nie gab. Eine Geschichte, die Markus Stockhausen erzählt, geht so:

„Als Dreizehnjähriger durfte ich eine 7-wöchige Reise mit meinem Vater nach Bali und Japan machen, wo er die Musik bei der EXPO ’70 in Osaka für den deutschen Pavillon konzipiert hatte. Das war die große Welt. Morgens streunte ich bei den 180 Pavillons aller Länder herum und sog Musik und kulturelle Eindrücke aus der ganzen Welt in mich auf, nachmittags hörte ich seine Musik, die von mehr als 20 Interpreten, auch mit viel elektronischer Musik, dargeboten wurde.“

Ein paar Jahre später ist er es selber, der Projekte mit führenden Musikern und Orchestern Europas an den Start bringt, und zwar im Dutzend. Heute ist er  –  und gilt es nicht nur  –  einer der profiliertesten Trompeter weltweit. Widerspruch? Nirgends.

Warum ist das so? Stockhausen ist keiner von denen, die ihr Genre wie ein Revier abstecken, er ist kein Fachidiot des eigenen Stils, sondern hat sich seinen Weg quer durch den Jazz hindruch gesucht, quer durch die Klassik und querbeet durch die Neue Musik. Und hat dabei den nächst gelegenen Stromanschluss immer im Blick behalten: Elektronik ist ihm auch nur ein anderes Wort für die Option, etwas Unerhörtes zu spielen, das noch nicht Gehörte:

„Mit der Trompete bin ich sozusagen sehr schnell flügge geworden. Ich konnte in Bands spielen, ich hab Jazz gemacht, sehr viel Big Band. Ich hab Tanzmusik gemacht, Kirchenmusik, Blasorchester, Turmmusiken, Prozessionen, Begräbnisse, Hochzeiten – ich hatte ganz viel Spielfeld …“

und hat es der Länge und Breite nach genutzt. Die präzise notierte, detailgenaue Musik seines Vaters ebenso wie die spontane, lockere Improvisation:

„Den Jazz und die Improvisation hatte ich immer gleichzeitig mit Klassik und zeitgenössischer Musik gespielt. Der wunderbare Manfred Schoof war mein Lehrer für Jazz in Köln, und diese ‚andere Art‘ mit dem Instrument umzugehen verlieh mir eine Sicherheit und Fähigkeiten, die mir bei der Musik meines Vaters halfen. In der Improvisation, frei von Noten, konnte ich Sachen spielen, die ich, wenn ich sie notiert gesehen hätte, nie hätte spielen können.

Oft war ich über diesen Unterschied und das andere Spielgefühl erstaunt, lernte dann aber mit den Jahren die verschiedenen Musizierweisen in mir zu vereinen und sah, wie sich die verschiedenen Stile gut ergänzten.“

Damit ist Stockhausen zu einem Vorreiter geworden für die wohl wichtigste Entwicklung in der Musik der letzten Jahrzehnte: die Erfahrung, dass Kunst und Kultur eben nicht „hoch“ oder „niedrig“ sind, nicht „u“ oder „e“, „elitär“ oder „populär“, sondern immer dann gut, wenn sie  –  jetzt oder nie, das ist die einzig erlaubte Alternative in der Musik!  –  wenn sie frei sind für den Moment. Cross the border, close the gap. 

In Bochum stellt Markus Stockhausen jetzt  –  er hat bisher über 80 Alben aufgenommen!  –  sein neuestes vor: “Far into the Stars”, bei OKeh Records / Sony Music erschienen, und natürlich präsentiert er es zusammen mit Quadrivium, seinem Quartett:

Jörg Brinkmann (Cello), Angelo Comisso (Piano) und Christian Thomé (Drums).

Und natürlich auch wieder mit: Strom. Die Band arbeitet mit elektronischer Unterstützung, nur so entstehen diese einmaligen musikalischen Stimmungen, die Übergänge zwischen Jazz und Kunstmusik, zwischen Komposition und Improvisation. Und sie entstehen immer leicht und leicht verspielt, Stockhausens Musik ist völlig unverbiestert und, ja, vergnügt. 

Stefan Pieper auf nrwjazz.net [ohne diese Seite gäbe es nicht viel zu Jazzen in NRW]:

„Stockhausens Trompetenton strahlt vor sensibler Empfindung – und behält auch bei druckvoller, manchmal fast rockiger Gangart immer noch eine Prise Zartheit. Lange, weitgespannte Melodienbögen sind ein großes Thema bei ihm und seinen Mitstreitern. Vor allem Jörg Brinkmann erweist sich mit seinem einzigartigen Cellospiel als sphärischer und bei aller Virtuosität immer höchst feinfühlig bleibender Gegenpart. Beide machen viel Gebrauch von der Elektronik, aber es geht dabei nicht um Verfremdung, höchstens um mehr Hall und Raumgebung. Oder vielleicht mal um die Trickreiche Spiegelung des eigenen Spiels in einer virtuellen Nebenstimme in polytonaler Reibung. Auch mit Schlagzeuger Christian Thomé zeigt sich in dieser Band ein weiterer Musiker, auf den in allererster Linie das Attribut empfindsam zutrifft. Unter die Haut geht etwa, wie er minutenlang allein mit der Snaredrum zarte Mikrorhyhtmen zu atmosphärischen Teppichen verdichtet, auf deren Grundlage Jörg Brinkmann seinem Instrument einen entrückt-melancholischen Sologesang entlockt. Und mit Angelo Comisso macht ein Pianist die Runde komplett, der nie einen Ton zu viel braucht, um trotzdem auf den Punkt zu kommen.

Mal werden Choralmelodien oder romantisch angehauchte Themen zum Sprungbrett für freigeistige, aber nie eitel ausufernde Improvisationen, mal sind es rare Kompositionen aus der Musikgeschichte, welche zur Quelle gemeinsam ausgelebter spielerischer Fantasie werden. Das mutet manchmal balladesk und meditativ an und im nächsten Moment wieder jazzrockig und treibend. Ausgefuchste, nie dem Zufall überlassene Klangästetik ergibt sich ohnehin von selbst, wenn derart prominente Charaktere auf der Bühne ihre Arbeit aufnehmen.“

Und weiter mit den Hymnen auf Quadrivium, Volker Doberstein im Jazzpodium 10/17:

„Ein einzigartiges Soundkonzept: eine Musik des Übergangs, im Raum schwebend, die einem im Hören eine Vorstellung vom Überwinden des Gegenwärtigen gibt und damit von Freiheit. Voller spiritueller Kraft, aber nicht esoterisch; den ganzen Raum flutend, aber gesichert in großer Tiefe verankert; leuchtend, aber nie blendend; unaufdringlich, aber handwerklich zu jedem Zeitpunkt von allerhöchster Brillanz. … Musik exakt im Augenblick ihres Höhepunktes, also genau dann, wenn sie sich rückhaltlos öffnet, dem Hörer zu überantworten – es gibt derzeit nur eine Handvoll durchaus unterschiedlicher Ensembles wie das Tarkovsky Quartett oder eben Quadrivium, denen dieses Kunststück gelingt.”

Und jetzt etwas nüchterner dpa, die Deutsche Presseagentur:

„Jazzrock zum Abheben: Markus Stockhausen legt mit seinem Quartett ein Album vor, das mühelos Grenzen überschreitet. Ein unglaublich homogener Ensemblesound, der dem scheinbar schwerelosen Spiel des Quartetts Flügel verleiht.“

Klingt zu gut um wahr zu sein? Klingt genau so, wir laden zum Hören live.


MARKUS STOCKHAUSEN | Quadrivium

Jörg Brinkmann | Cello
Angelo Comisso | Piano
Markus Stockhausen | Trompete‘
Christian Thomé | Drums

>> Sonntag 30. September 19 Uhr
>> Einlass 18 Uhr
>> VVK 22 € inkl. Geb.  |  11 € für alle bis 25 Jahren
>> Tickets direkt hier bei uns ordern

In Kooperation mit PUBLICJAZZ | events

 

Markus Stockhausen | Quadrivium

Trompeter, Komponist, ein begnadeter. Und Sohn eines Begnadeten, sein Vater  –  Karlheinz Stockhausen gilt nicht nur als, sondern ist es: einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts  –  hat ihm den Weg eröffnet, den er dann mit eigenem Navi gegangen ist. Die Augen offen, die Ohren und das Herz dafür, mit anderen Musik zu machen, […]