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Søjus1 | urban urtyp #64

Wer immer ihre Musik beschreibt, dem fallen große Namen ein. Dass die Klangästhetik an Portishead erinnere und an Massive Attack. Dass die Musik den verzweigten Spuren von Miles Davis folge. Dass ihre Erzählungen episch seien wie bei Can und sie in Pop-Appeal mündeten wie bei Pink Floyd, und was so unglaublich ist an diesen Vergleichen: […]

Søjus1 by Luise Zuecker (c)

Wer immer ihre Musik beschreibt, dem fallen große Namen ein. Dass die Klangästhetik an Portishead erinnere und an Massive Attack. Dass die Musik den verzweigten Spuren von Miles Davis folge. Dass ihre Erzählungen episch seien wie bei Can und sie in Pop-Appeal mündeten wie bei Pink Floyd, und was so unglaublich ist an diesen Vergleichen: dass die Musik ihnen stand hält. Und zwar

„ohne auch nur eine Sekunde lang blöd pathetisch zu klingen“.

Wie Klaus Fliehe auf 1Live meinte, der, mit allen Wassern des Pop-Pathos gewaschen, sich „regelrecht berührt“ zeigte, wie er meinte, als er Søjus1 hörte: elegische Ambient-Sounds, komplizierte Drum Patterns, orchestral geschichtete Sounds, aus weiter Ferne dringen Stimmen ans Ohr …

Das ist große Literatur. Cool und intelligent, anrührend und warm, ausgereift und im Detail durchdacht, es klingt, als sei es ein reifes Spätwerk, es ist ihr Erstling.

Und es gibt eine Geschichte dazu, sie ist ernst, es geht um den Tod und das Leben mit ihm: Ralf Müller, als DJ und Producer gut unterwegs  –  er hat ua für Sinéad O’Connor, für Dario G. und für Heather Nova remixt  –  lernte den Jazzdrummer Simon Arnold kennen in einer Zeit, als sie von einem gemeinsamen Freund, der tödlich erkrankt war, Abschied nehmen mussten. Sein Sterben und sein Tod hat die Entstehung ihrer Musik begleitet, sie fingen an, aus der Poesie und Prosa ihres sterbenden und schließlich verstorbenen Freundes ein Album zu entwickeln. Und dann: das Leben, das eigene. Gefühle, Fragen, Krisen. Neue Frage, neue Krisen, glückliche Momente, die Musik wurde vom Leben gekapert. „013“, der erste Track, ist der einzige auf dem Album, der an den ursprünglichen Ansatz erinnert. Alles andere veränderte sich und wurde verändert, umgestaltet, neu konzipiert.

Ein Album, das sich hören lässt, als folge es den Spuren, die ein Mensch in dieser Welt hinterlässt. Die Spuren überschneiden sich, sie verschmelzen mit anderen, auch den eigenen, und nach und nach lösen sie sich ab von der Erde und umkreisen das eigene Leben wie Søjus1 die blaue Murmel und nehmen Erinnerungen auf, Assoziationen von Wörtern und Klängen, den rhythmischen Puls des Lebens, und sie verbinden alles auf eine undurchsichtige Art. Es ist die Schönheit der Trauer, die vom Leben zeugt.


SØJUS1 | urban urtyp #64
Ralf Müller, DJ/Producer | Simon Arnold, Jazzdrummer

» 29. April
» wie immer sonntags 19 Uhr
» wie immer nur 10 €
» Tickets hier oder besser noch unseren roomservice bemühen: mail an ticket@urbanurtyp.de