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Chorwerk Ruhr

Weihnachtskonzert

Chorwerk Ruhr 2015 in der Christuskirche by Sabine Hahnefeld

Marc-Antoine Charpentier (1643-1704)
Te Deum in D-Dur, H 146 für Solisten, Chor und Orchester

Georg Philipp Telemann (1681-1767)
Deus judicum tuum Grand Motet TWV 7:7 für Solisten, Chor und Orchester

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Advent am Platz des europäischen Versprechens  –  das Konzert des Chorwerks beginnt, wir sind voller Hoffnung, mit einem hymnischen Lobgesang Gottes, den jeder Europäer kennt: Die ersten Takte des Te Deums sind der Lobgesang Europas seit 1956, weil Fanfare aller Übertragungen der Eurovision im europäischen Fernsehen:

 

 

Ein geistliches Werk im Stile der französischen „grand motet“, von dem französischen Barockkomponisten Marc-Antoine Charpentier vermutlich 1692 geschrieben. Es war die Zeit Ludwigs XIV, Ur-Bild absolutistischer Macht und der krausen Vorstellung, dass er, Ludwig, sie direkt von Gott empfangen habe. Liegt nahe, dass Ludwigs „Gottesgnadentum“ sich hart mit dem Protestantismus rieb, 1685 widerruf der Absolutist alle bürgerlichen und religiösen Rechte, die den französischen Protestanten, den Hugenotten, seit 1598 mit dem Edikt von Nantes gewährt worden waren. Konkreter Anlass, das Te Deum bei Charpentier in Auftrag zu geben, war denn auch ein militärischer Sieg der französischen Armee über die Augsburger Liga, einem Bündnis fast aller Länder Europas, die sich gegen das absolutistische Frankreich zu behaupten suchten.

Das alles klingt mit in dem Werk, Glanz und Gloria und Gottesgnadentum, europäische Kriege und Bündnisse, aber eben auch die enorme Vielfalt, die Europa auszeichnet ebenso wie Charpentiers Kompositionen: Der Pariser Komponist  –  “Le charpentier” ist der Zimmermann, wie Jesus einer war  –  wurde vom französischen Hof wie ein Solo-Selbständiger gehalten, er bekam Aufträge, aber keine Anstellung und verstarb völlig verarmt, hatte mithin allen Grund und reichlich Erfahrung damit, den Kontrast zur zentralen Form seiner Gestaltung zu machen: unterschiedlichste Besetzungen, Satzweisen und Taktarten, die einander abwechseln, eine ausgesprochen reiche Harmonik, der unterhaltsame Wechsel von vokalen und instrumentalen Partien. 

Im gleichen Typus der „grand motet“ schrieb der deutsche Protestant Georg Philipp Telemann seine Vertonung des 72. Psalms „Deus, judicium tuum“. Zu Lebzeiten war Telemann der berühmteste aller zeitgenössischen Komponisten, unter ihnen Übergrößen wie Bach und Händel  –  und Telemanns europaweiter Nimbus war begründet: Mit seinen Kantaten hat er die protestantische Kirchenmusik auf ein bis dahin unerreichtes Niveau gehoben und gleichsam dauer-reformiert: Nikolaus Harnoncourt, der 2016 verstorbene Dirigent, nannte Telemann eine “überaus dynamische Persönlichkeit”, jederzeit bestrebt, “Neues zu bringen, er beharrte niemals auf einem einmal als richtig erkannten Stil, sondern stand stets in der vorderen Reihe der Stilentwicklung”.

Im Herbst 1737 befand sich Telemann auf Einladung acht Monate lang in Paris und passte sich mit der Vertonung des 72. Psalms ganz der französischen geistlichen Hofmusik an. Ludwig XIV. war da zwar schon über zwanzig Jahre tot, doch auch dieses Werk hat repräsentativen Anspruch, wenngleich Pauken und Trompeten fehlen. Der fünfstimmige Chor wechselt mit unterschiedlichen solistischen Besetzungen und wird farblich von ganz unterschiedlichen Instrumentalbesetzungen begleitet. Auch dieser Psalm stellt ein großes Gotteslob dar, in das sich der französische König, nunmehr Ludwig der XV., sicherlich hat mit einbezogen fühlen dürfen. Dennoch klar, auf welcher Seite wer steht. Telemann wurde seinerseits dadurch geehrt, dass sein Werk in der seinerzeit berühmten Konzertreihe „Concert spirituel“ aufgeführt und ihm die Veröffentlichung eigener Werke in Paris erlaubt wurde.

Wie das so ist, der Kampf gegen Absolutismus und Autorität, die sich von Gott geliehen weiß, ist mühsam, zäh und kleinteilig, kann aber auf zwei Evidenzen zurückgreifen, die Bibel und die Ästhetik: Glaube kommt aus dem Hören. 

 

Solisten: CHORWERK RUHR
CHORWERK RUHR
CONCERTO KÖLN

 

GRETE PEDERSEN | DIRIGENTIN

Die Norwegerin zählt zu den renommiertesten Dirigenten der internationalen Chorszene. Seit 1990 Chefdirigentin des renommierten The Norwegian Soloists‘ Choir, dessen CD Einspielungen u.a. mit dem ‚Choc de la Musique‘ und ‚Prix d’Or‘ von Diapason ausgezeichnet wurden, seit Jahren eine europaweit gefragte Gastdirigentin: Sie arbeitete bereits mit Chören und Orchestern wie dem Eric Ericson Kammerchor, dem Schwedischen Rundfunkchor, dem Netherlands Radio Chor und Netherlands Chamber Choir zusammen, mit dem Danish National Vocal Ensemble und Choir, dem Rundfunkchor Berlin, MDR Rundfunkchor, Chamber Choir Ireland, Pro Coro Canada, Tokyo Cantat, World Youth Choir, Freiburger Barockorchester, Stavanger Symphony, Slovenian Philharmonic u.a.m. zusammen.

Bei BIS Records sind zahlreiche Aufnahmen von Grete Pedersen und dem Norwegian Soloists‘ Choir mit Werken von Per Norgard, Kaija Saariaho, Iannis Xenakis, Helmut Lachenmann, Alfred Janson, J.S. Bach, Knut Nystedt, Alban Berg, Olivier Messiaen, Fartein Valen, Anton Webern, Johannes Brahms, Franz Schubert, Edvard Grieg und Norwegische Volksmusik u.a. erschienen. Für das Album mit J.S.Bach Motetten mit dem Norwegian Soloists‘ Choir und Ensemble Allegria erhielt Grete Pedersen den Diapason d’Or 2018. Das Album zusammen mit dem Norwegian Soloists‘ Choir The wind blows mit Musik von Alfred Janson wurde vom Gramophone Magazin zur ‘CD des Jahres 2018′ gekürt.

Chorwerk Ruhr

zählt zu den bedeutendsten Kammerchören im deutschsprachigen Raum. Die außerordentliche Qualität des 1999 Vokalensembles ist es, den speziellen Anforderungen solistischer Besetzungen ebenso gerecht zu werden wie eine perfekte Verschmelzung des Ensembles im Chorklang zu erreichen.

Im November 2011 hat der mehrfach ausgezeichnete Dirigent Florian Helgath die Künstlerische Leitung übernommen. Er sieht einen Schwerpunkt seiner Arbeit darin, neue Chormusik in Bezug auf traditionelle Musikformen zu beleuchten und somit für den Zuhörer vor dem Hintergrund der reichen Musikgeschichte neu wirken zu lassen. Mit dem erstklassigen Ensemble setzt er Chormusik auf höchstem Niveau um.

Chorwerk Ruhr hat sich als eines der hochwertigen künstlerischen Markenzeichen der Metropolregion Ruhr und als einer der Spitzenchöre Deutschland etabliert. Seit der Gründung fanden Konzerte mit Musik aus allen Epochen bis zur Gegenwart statt in Zusammenarbeit mit namhaften Dirigenten wie Sir George Benjamin, Frieder Bernius, Sylvain Cambreling, Reinhard Goebel, Robin Gritton, Rupert Huber, Susanna Mälkki, Kent Nagano, Peter Neumann, Emilio Pomàrico, Peter Rundel, Marcus Stenz, Bruno Weil und Hans Zender.

In Konzerten mit renommierten Orchestern wie den Berliner Philharmonikern, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, Concerto Köln, Ensemble Resonanz, l’arte dell mondo, dem Ensemble Musikfabrik, dem Schönberg Ensemble Amsterdam, dem Ensemble Modern, der Jungen Deutschen Philharmonie, den Bochumer Symphonikern, dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks begeistert Chorwerk Ruhr immer wieder sein Publikum und erntet herausragende Kritiken.

Die Zusammenarbeit mit der Christuskirche Bochum dauert seit nunmehr zwei Jahrzehnten an. Die hervorragende Akustik des Oesterlen-Baus entfaltet das Niveau des Chores, die Bilderlosigkeit des Raumes stellt sich in den Dienst des Hörens.

Dieses Konzert in der Christuskirche verdankt sich einer Kooperation von Chorwerk Ruhr, Christuskirche Bochum und dem Kulturbüro der Stadt Bochum.