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Tag der Befreiung

Gedenkstunde in der Synagoge

Synagoge Bochum | (c) Schmitz-Architekten

Vor 74 Jahren, in den Mittagsstunden des 27. Januars 1945, wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit. Der Tag steht für Hunderte andere, an denen das Morden beendet und die Wenigen befreit wurden, die noch am Leben waren: Die Nazis und ihre Verbündeten hatten Europa mit einem dichten Netz von Vernichtungs-, Konzentrations- und Arbeitslagern überzogen. Sie hatten die Menschen, die sie ermorden wollten  –  Juden vor allem, Sinti und Roma, Menschen mit Handicaps, Menschen mit einer für Faschisten unerträglichen Meinung, Religion, Sexualität  –  quer durch Europa deportiert oder sie gleich an Ort und Stelle nieder geschossen.

Was sagen an so einem Tag?

Wie an das erinnern, was die eigenen Vorfahren taten? In der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen haben sich Überlebende im „Club Stern“ zusammengeschlossen. Alle haben sie  –  so wie Felix Lipski, Sprecher des „Club Stern“ –  die deutschen Erschießungskommandos als Kinder überlebt. Viele von ihnen haben  –  in Weißrussland, der Ukraine, in Russland  –  mit ansehen müssen, wie ihre Eltern und Geschwister und Freunde ermordet wurden, alle sind sie ihrer eigenen Ermordung nur zufällig entkommen. Nach deutschem Recht und Gesetz hätten sie seit 74 Jahren tot sein müssen. Heute leben sie  –  alt, weise, verarmt  –  in Bochum.

In einer Stadt, die ihre Juden ebenfalls vertrieben und ihrer Ermordung überlassen hat. Wir kennen 600 Namen von Bochumer Juden und Jüdinnen, die ermordet worden sind, alle ihre Namen werden Jahr für Jahr bei dem Gedenken in der Synagoge gelesen.

So auch der Name von Betti Hartmann: Vor wenigen Jahren erst hatte Felix Lipski die Geschichte der jungen Frau aus Wattenscheid nach mühevoller Archivarbeit nacherzählen können. Im vorvergangenen Jahr dann hatte Lipski bei der Gedenkstunde in der Synagoge über das Vernichtungslager Maly Trostinez in Weißrussland berichtet, dessen Geschichte er mit anderen zusammen rekonstruiert hatte: Auch dieser Ort des Grauens war jahrzehntelang vergessen, erst jetzt, im Juni 2018, ist dort im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Gedenkstätte errichtet worden.

Beim diesjährigen Gedenken wird Lipski über das Morden in Transnistrien sprechen, der Moldau-Region zwischen Rumänien und der Ukraine. Die Ermordung der Juden, die dort gelebt oder dorthin vertrieben worden sind, ist ebenfalls wenig erforscht. In der westlichen Erinnerungskultur wurde sie bisher kaum beachtet. Auf YadVashem.org heißt es dazu:

In Rumänien, einem gehorsamen Bündnispartner der Nationalsozialisten, lebten vor dem Zweiten Weltkrieg etwa 757.000 Juden. In dieser Gegend Europas waren extreme antisemitische Tendenzen seit jeher weit verbreitet, und am Vorabend des Zweiten Weltkriegs eskalierten diese noch mehr.

Mit dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion im Sommer 1941 wurden etwa 15.000 Juden der Stadt Jassy (Iasi) von rumänischen Soldaten, Polizisten und Zivilisten massakriert. In Folge der Anordnung des rumänischen Diktators Ion Antonescu, die Juden Bessarabiens und der Bukowina, Gebiete im Norden Rumäniens, zu ermorden, beeilte sich die lokale Bevölkerung, in Kooperation mit der deutschen Armee und Soldaten der Einsatzgruppe D, eine Mordkampagne zu starten. Die Juden, die in diesen Gebieten am Leben blieben, wurden mit mörderischer Brutalität nach Transnistrien deportiert – einem dünn besiedelten Gebiet zwischen den Flüssen Dnjester und Bug, das Hitler Rumänien zugeteilt hatte. Neben der Ermordung Zigtausender durch Rumänen kamen etwa 150.000 Juden durch Kälte, Hunger und Krankheiten ums Leben.

In einer späteren Phase, als die rumänische Regierung zu verstehen begann, dass der Krieg im Wesentlichen entschieden war, und in Folge eindringlicher Warnungen der Alliierten brachen die Rumänen die Ermordung der Juden ab. Insgesamt wurden in den Gebieten unter rumänischer Kontrolle (einschließlich Transnistrien) etwa 400.000 Juden ermordet.

So tritt uns  –  74 Jahre nach der Befreiung der Todeslager  –  das Leben derer, die unschuldig ermordet worden sind, vor Augen. Gleichzeitig wacht Antisemitismus überall in Europa wieder auf und zieht sich quer durch das gesamte gesellschaftliche Spektrum, durch das politische, das religiöse, das kulturelle. Was tun an diesem Tag, an dem wir daran erinnern, dass die Nazis ohne Maß gemordet, aber nicht gesiegt haben?


TAG DER BEFREIUNG VON AUSCHWITZ

» Sonntag 27.01. 2019
» 16:30 h: Lesung der Namen der ermordeten Bochumerinnen und Bochumer
» 17:00 h: Gedenkstunde
» Synagoge Bochum | Erich-Mendel-Platz 1

Tag der Befreiung

Gedenkstunde in der Synagoge

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